Dez 30

Zwischen den „Jahren“ oder in letzter Zeit häufig sogar vor Weihnachten ist es üblich, über das bald vergangene Jahr nachzudenken und sich noch einmal die Ereignisse des Jahres vor Augen zu führen. Auch Telkotalk will da nicht nachstehen. Keine Angst, jetzt kommt nicht der 100. „Menschen XX“ Abklatsch.

Die Fachzeitschrift TelecomHandel fragte online ihre Leser nach dem TK-Highlight des Jahres 2009. Zu mehr als 40% wählten die Leser das Verschwinden der Marke Arcor vom Telefonmarkt als das wichtigste Ereignis des Jahres auf dem TK-Bereich. Grund genug, noch einmal der Marke Arcor eine Träne nachzuweinen.

Wir halten fest, dass Arcor die unangefochtene Nr.2 (bezogen auf Vollanschlüsse) auf dem deutschen Festnetzmarkt war. Die Marke stand für solide und seriöse Produkte. Bei den Tarifen brauchte man niemals Angst haben, über den Tisch gezogen zu werden, auch nicht bei Internet by Call oder Call by Call. Als die Entscheidung bei Vodafone fiel, die einst ungeliebte Festnetztochter zu integrieren, begann der Ausverkauf. Der Vodafone-Vertrieb warb mit teilweise unerhört hohen Provisionen dem Arcor Vertrieb die Aufträge ab und gewann damit den konzerninternen Wettbewerb.

Den Vogel schoß jedoch die zeitweilig praktizierte Methode ab, Arcor Bestandskunden durch Kündigung und Neuvertrag zu neuen Vodafone-DSL Kunden zu migrieren. Jeder so gewonnene „Neukunde“ dürfte den Konzern unterm Strich 500 Euro gekostet haben – eine gigantische Geldverbrennung. Die Telekom freuts, denn die kassiert allein für Abschaltung ohne Nachfolgenutzung und spätere Neuschaltung der TAL ca 200 Euro.

Von vielen Ex-Arcor-Geschäftskunden dagegen hört man wenig Gutes über den neuen Geschäftspartner. Ausgerechnet größere Geschäftskunden klagen über mangelhaften Service. Und viele Ex-Arcor-Systempartner klagen über eine nicht mehr existente Vertriebsbetreuung. Das Umfirmieren von Arcor auf Vodafone scheint abseits des Privatkundenmassengeschäfts nicht so reibungslos erfolgt zu sein, wie man sich das gewünscht hätte. Wir dürfen gespannt sein, welches Fazit Vodafone am Ende des Geschäftsjahres (31.3.2010) zieht.

geschrieben von Holger

Dez 05

Nach einem Bericht der Wirtschaftswoche erwartet die Deutschen Telekom in den nächsten drei Jahren einen dramatischen Umsatzeinbruch im klassischen Festnetzgeschäft. Das Magazin beruft sich dabei auf eine mittelfristige Hochrechnung, die der Konzern für die Prognosen zur Verschmelzung von T-Home und T-Mobile vor der außerordentlichen Hauptversammlung am 19. November erstellte. Statt 9,3 Milliarden Euro wie im Geschäftsjahr 2007 spülen die Telefonkunden (klassische Anschlüsse und Telefonieumsatz) demnach im Jahr 2012 nur noch 3,6 Milliarden Euro in die Kasse.

Damit verliert das klassische leitungsvermittelnde Telefonnetz (PSTN) weiter an Bedeutung. Während die großen Wettbewerber einen erheblichen Teil Ihrer DSL Kunden bereits mit sogenannten ALL-IP-Anschlüssen versorgen, wird bei der Telekom Telefonie und DSL noch klassisch in zwei Netzen getrennt. Zwar legen inzwischen immer mehr Kunden speziell aus dem geschäftlichen Umfeld Wert auf diese Trennung und die damit einhergehende höhere Gesprächsqualität. Umgekehrt sind aber immer weniger Privatkunden bereit, für diesen „Luxus“ einen Mehrpreis gegenüber den Wettbewerbern zu bezahlen. Die zweigleisige Technik erhöht natürlich die Betriebskosten des Netzes erheblich.  Dazu kommt noch, dass die Technik des Telefonienetzes im nächsten Jahrzehnt wieder erneuert werden müßte. Nach der großen Digitalisierungswelle der 90er Jahre findet sich in den Vermittlungsstellen immer mehr Technik, für die der Service vom Hersteller nach 15 oder 20 Jahren eingestellt wird.

Hinter vorgehaltener Hand ist immer wieder zu hören, das auch die Telekom plant, ab 2012 keine klassischen Analog- oder ISDN-Anschlüsse (PSTN) mehr zu schalten. Ein Migrationsszenario für Bestandskunden ist noch nirgends aufgetaucht. Denkbar ist aber auch, dass die nun offen liegenden wirtschaftlichen Zahlen dazu führen, dass der Weg zu ALL-IP oder NGN schneller eingeschlagen wird.

Einem Netztest der Zeitschrift Connect (Ausgabe 12/2009) zufolge haben ja mit O2 und Freenet ausgerechnet zwei Anbieter mit geringem Marktanteil die ALL-IP-Telefonie bereits gut im Griff. Die Marktführer haben hier noch Nachholbedarf.

Bei den Notrufen und Alarmanlagen besteht allerdings dringender Handlungsbedarf. Die Notrufleitung eines Fahrstuhles darf derzeit nicht in ALL-IP ausgeführt werden. Immerhin ist hier als Alternative zu PSTN noch GSM zulässig. Noch strenger die Vorgaben des VDS bei Alarmanlagen. Und nicht zu vergessen die vielen Notrufsysteme für alte, kranke und behinderte Menschen, die bislang auch nur in Ausnahmefällen über ALL-IP arbeiten.

Dazu kommen noch zigtausende von alten Kassensystemen und EC-Cashgeräten, die noch „echtes“ ISDN benötigen. Natürlich gibt es für diese Geräte längst modernen Ersatz, aber viele Geschäftsleute möchten die zur Jahrtausendwende teuer neu angeschafften Geräte nicht schon wieder ersetzen, nur weil der Telefonanbieter sein Netz umbaut.

Hier besteht noch erheblicher Denk- und Handlungsbedarf, bevor ALL-IP oder gar NGN reibungslos das „alte“ PSTN ablösen kann.

geschrieben von Holger \\ tags: , , , , ,