Jun 29

Logo versatelNach den Gerüchten, versatel könnte sich für die angeschlagene Primacom interessieren, kam heute abend eine kleine Überraschung aus der Konzerzentrale. Versatel verkauft die Versatel Kabel GmbH für 66 Millionen Euro an den französischen Finanzinvestor Chequers Capital. Mit dem Verkauf wurde außerdem ein Wholesale-Vertrag über die Bereitstellung der Netzebene-3-Leistungen auf Basis der vorhandenen Netzinfrastruktur vereinbart. Dieses Wholesale-Geschäft beinhaltet für die Versatel AG ein Umsatzvolumen von rund 9 Millionen Euro.

Damit unterstreicht das Unternehmen nach eigene Ansicht die Strategie der Fokussierung auf das B2B-Geschäft, um in diesem Segment den Wettbewerbsvorteil – das eigene Netz – noch intensiver zu nutzen. Mit dem Verkauf verschafft sich der Telekommunikationsanbieter die nötige Flexibilität für eine umfassende Stärkung des B2B-Geschäfts.

Anders ausgedrückt: Man braucht das Geld, um in anderen Bereichen weitere Investitionen tätigen zu können. Aktuell wird der Fokus auf B2B-Produkte sowie auf das Wholesale-Geschäft gelegt. Dabei waren auch diese Bereiche im dirkten Vergleich 2008/2009 ebenso rückläufig wie das Privatkundengeschäft.

Die Strategie der versatel AG waren in den letzten Jahren sehr wechselhaft. Plante man 2005 nach der Fusion der Versatel Deutschland mit der Tropolys-Gruppe noch den Aufstieg zur Nummer 2 im deutschen Festnetzgeschäft, so wendete sich das Blatt nach dem Börsengang und dem Absturz der Aktie. Mögliche Zukäufe wie z.B. von AOL wurden vermutlich aus finanziellen Gründen nicht realisiert. Stattdessen überraschte man 2008 mit dem Kauf zwei kleiner Netzebene-4-Kabelanbieter. Nun also wurde das Abenteuer Kabel-TV beendet und dieser Geschäftszweig wieder verkauft und so wie es aussieht, ohne größere Verluste.

Nun also die Strategie weg vom nervigen, kaum Marge bringenden Privatkunden hin zum Geschäftskunden. Doch auch dieses Terrain ist heiß umkämpft und mit Vodafone ist ein Wettbewerber im Haifischbecken, der aktuell sehr preisagressiv auftritt. Erschwerend kommt hinzu, das die Globalplayer am Geschäftskundenmarkt mit einem eigenen Mobilfunknetz aufwarten können und so sinnvolle runde Pakete anbieten können. Versatel kann hier nur eine Kooperation mit eplus aufweisen – ein Netz, dessen Ausbau insbesondere bei UMTS einfach nicht mehr zeitgemäß ist.

Und da sind wir bei den Gemeinsamkeiten von eplus und versatel: Beides sind Netzbetreiber, die zwar kleine Gewinne abwerfen, das aber auf Kosten des Wachstums und des Netzausbaus. Beide haben es versäumt, sich den Anforderungen der nächsten Jahre zu stellen und die Weichen auf weiteren Erfolg zu stellen. Man kann den Eindruck gewinnen, dass beide auf einen großen Investor warten, der bereit ist, viel Geld in die Hand zu nehmen. Nur so einer ist derzeit am deutschen Markt nicht in Sicht. Und so steht man bei Versatel vor dem Trümmerhaufen der Fehler aus den vergangenen Jahren. Durch das lange Festhalten an ISDN hat man den Aufbau eines leistungsfähigen All-IP-Netzes lange versäumt. Die Betriebskosten sind im direkten Vergleich zu den Marktbegleitern Vodafone und Alice deutlich höher. Und dazu der Nachteil, ein Regionalcarrier zu sein, während die Marktbegleiter dank All-IP bundesweit anbieten können.

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Jun 26

Seit zwei Tagen (seit dem 24.6.2010) ist das neue IPhone4 auf dem Markt und es soll sich bereits mehr als 1 Millionen mal verkauft haben. Über Sinn oder Unsinn eines Apple-Produkte zu sinnieren, ist zwecklos. Das ist schlimmer wie die Glaubensfrage zwischen Christen und Muslime.  Sei´s drum, die Dinger sehen stylisch aus und glänzen durch Funktion und überhöhte Preise.

Beim IPhone4 droht Apple nun ein ernsteres Fiasko. Bereits am ersten Tag tauchten Meldungen über Gesprächabbrüche und schlechtem Empfang während des Telefonierens.  Besonders dann, wenn man es während des Gespräches in die linke Hand nehme. Von Apple war darauf sofort zu hören, dass sei „eine Gegebenheit des Lebens bei jedem Mobiltelefon“ und man möge es wie bei jedem Mobiltelefon vermeiden, die Antenne mit der Hand abzudecken.

Das ist sicherlich richtig und doch scheint es nur die halbe Wahrheit zu sein. Kein beliebiges Mobiltelefon benutzt blanken, offen berührbaren Edelstahl als Antenne. Beim IPhone4 wird bekanntlich ein Teil des Edelstahlrahmens als Antenne genutzt. Präzise gesagt, für UMTS ist es der untere Teil des Rahmens. Und den berührt man sehr leicht, wenn man das Telefon während des Telefonierens in die Hand nimmt, was ja die meisten Nutzer mit ihrem Gerät machen. Das direkte Berühren beider Antennenenden (unisolierter Edelstahl!) verstimmt natürlich sofort die Antenne und den Sendeschwingkreis und hat in vielen Fällen den sofortigen Abbruch der UMTS-Verbindung zur Folge. In den meisten Fällen gelingt dann noch der reibungslose Handover ins normale GSM-Netz, so dass es nicht zum Gesprächsabbruch kommt. Aber eben nicht immer.

Die Redaktion von Onlinekosten.de hat ein kleines Video gedreht, das sehr schön diese Problematik zeigt. Apple empfiehlt vorsorglich schon mal die Verwendung einer Schutzhülle. Klar, das verhindert den leitenden Kontakt zur Antenne. Und böse Zungen unken bereits, es wird bald ein App geben, dass dem IPhone4-Besitzer das „richtige“ Halten seiner Neuerwerbung zeigt.

Lieber Steve Jobs: Seit Erfindung mobiler drahtloser Kommunikationseinrichtungen ist es üblich, die Antennen am oberen Gehäuseende anzubringen. Ok, das war lange bevor es eine Firma Apple Computer gab. Sogar lange bevor es Apple Records gab. Aber auch bei neuen UMTS-Handies ist dies üblich. Nicht, weil man das schon immer so gemacht hat, sondern weil man dort die geringste Abdeckung durch den Nutzer erwarten darf. Der faßt sein Mobilgerät eher in der Mitte oder unten an. Und das der menschliche Körper ein prima Leiter ist, sollte auch bekannt sein. Physik, 5. Klasse…

Wie Apple das Problem langfristig löst, wird spannend. Per Firmwareupdate kann man diese Fehlkonstruktion nicht beheben. Und der Blogger ist froh, so ein „normales“ Gerät eines etablierten Herstellers sein Eigen zu nennen. Das sieht zwar vielleicht nicht so schön aus, aber man darf es einfach wie man mag in der Hand halten, wenn man damit telefoniert. Sogar in der linken Hand, Herr Jobs.

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Jun 19

Nach dem die Primacom Holding am 14. Juni 2010 Insolvenz anmelden mußte, ist das operative Geschäft vorerst gesichert. Nach Angaben des Unternehmens gab es in den vergangenen Tagen eine Einigung mit den Banken, die zum einen weitere 15 Millionen Euro Kredite gewähren und zum anderen Zahlungsverpflichtungen in Höhe von 15 Millionen Euro gestundet haben. Damit stehen aus Sicht der Geschäftsführung ausreichend finanzielle Mittel zur weiteren Verfolgung des Wachstumskurses des Unternehmens zur Verfügung.

Nicht in allen Versorgungsgebieten wird diese Nachricht mit Freude zur Kenntnis genommen. Im Stadtgebiet von Osnabrück, wo seit Ende letzten Jahres die Exklusivvermarktungsrechte von Primacom endeten und nun Kabel Deutschland seit 1.4. selbst Kunden bedient, ist man auf Primacom gar nicht gut zu sprechen. Diverse anhängige Gerichtsverfahren zwischen Primacom und Kabel Deutschland blockieren vielen Kunden, deren Vermieter einen Vertrag mit der Primacom haben, nun die Buchung von Digital-TV oder Internet bei Kabel Deutschland. Nicht wenige hatten auf eine schnelle Pleite gehofft, um die WM in Digitalem HD erleben zu können.

Noch Anfang der Woche meldete die Primacom Holding am 14. Juni 2010 Insolvenz an. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Hartwig Albers der Kanzlei Brinkmann & Partner bestellt. Die Kanzlei hat sich im Bereich der Insolvenzverwaltung einen gut Ruf erarbeitet und wickelt z.B. derzeit auch die Insolvenz der Prime Time Entertainment AG ab.

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Jun 19

Das viele Telefongesellschaften beim Service sparen, ist ja seit langem kein Geheimnis mehr. Auch wenn Anbieter ohne eigenes Netz Anfang des Jahres publikumswirksam einen langjährigen Angestellten als Service-Retter ins Rampenlicht gerückt hat, änderte sich effektiv wenig am Markt. Kein Wunder, haben die meisten Anbieter doch z.B. ihre Hotline an externe Call Center vergeben, wo der Anrufer sehr oft auf schlecht bezahltes und unzureichend geschultes Personal trifft. Nun wollte es das ZDF mal genauer wissen und beauftragte die Forschungsgruppe Wahlen mit einer telefonischen Umfrage. Befragt wurden 1203 represetentativ ausgewählte Kunden und die Ergebnisse überraschen kaum:

Demnach hatten 33,7% der Befragten in den letzten drei Jahren Ärger mit Ihrer Telefongesellschaft. 72,5% waren unzufrieden mit der Problembeseitigung, etwas die Hälfte der Befragten gab an, dass ihr Problem gar nicht gelöst worden sei und nur 6,7% waren mit der Lösung zufrieden. Das läßt tief blicken, zu mal die Probleme der Kunden im Wesentlichen die „Klassiker“ sind, die wir schon seit einem Jahrzehnt kennen. Also Internetausfall, keine telefonische Erreichbarkeit (häufig nach Portierungen) und fehlerhafte Rechnungen. Einige Details veröffentlicht das ZDF auf der eigenen Webseite.

Die WISO-Redaktion hat eine Dokumentation produziert, die am Montag den 21.6.2010 um 19:40 (VPS 19:25) gesendet wurde. Man kann sie unter dem Link zum ZDF noch einmal ganz leider in Teilen anschauen. Leider wird diese Möglichkeit nur einige Wochen nach Ausstrahlung existieren.

Mir persönlich hat besonders die Aussage von Urs Mansmann (c´t) gefallen: „Also wenn man sich Ärger einhandeln will, ist es das Beste, den bisherigen Vertrag selber zu kündigen…“. Sehr zutreffend formuliert. Leider sind die meisten Endverbraucher, wie auch aus meiner eigenen beruflichen Tätigkeit weiß, genau in diesem Punkt beratungsresitent.

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