Aug 19
Blauer Daumen

Gefällt mir Button

Jeder kennt ihn, den blauen „Gefällt mir“ Daumen von facebook. Sogar Leute, die facebook gar nicht kennen und das Internet nicht nutzen, haben den Daumen schon gesehen.

Und schon oft gab es von Verbraucherschützern und Politikern Kritik am Datenschutz von facebook. Geändert hat sich seitdem wenig, das US-Unternehmen reagiert gar oder ausweichend. Nun aber droht deutschen Webseitenbetreibern und facebook richtig Ärger. Und zwar vom ULD (Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein).

Das ULD hat eine sehr umfassende Analyse „facebook-Reichweitenanalyse“ vorgenommen. Kaum jemand dürfte vorher wirklich gewußt haben, wie facebook das Webverhalten seine Nutzer und zufälligen Besucher kontrolliert und aufzeichnet. Dabei ist mit solchen Daten sehr viel Geld zu verdienen und wenn man sich die Geschäftsberichte ansieht, dann verdient facebook auch sehr viel Geld. Kernstück dieses umfassenden Trackings sind die Scripte, die hinter jedem auf einer Webseite eingebundenen „Gefällt mir“ Button stecken und die bereits vor dem Anklicken des Buttons ausgeführt wurden.  Wie das genau funktioniert, kann man sehr detailliert in einer Analyse des ULD auf 25 Seiten nachlesen. In der Pressemitteilung des ULD wird dessen Leiter Thilo Weichert mit der Aussage „Mit Hilfe dieser Daten hat Facebook inzwischen weltweit einen geschätzten Marktwert von über 50 Mrd. Dollar erreicht.“ zitiert.

Aus der Analyse des ULD geht hervor, dass dieses Tracking von facebook in keinster mit dem deutschen Datenschutzgesetz vereinbaren läßt. Die ULD fordert nun alle Webseitenbetreiber auf, die  „Gefällt mir“ Buttons bis zum 30.9.2011 zu entfernen. Webseitenbetreibern aus Schleswig Holstein, die dieser Aufforderung nicht nachkommen, droht danach Post vom ULD. Nach einer Anhörung und einem Verfahren drohen Bußgelder von bis zu 50.000 Euro.

Die Forderungen des ULD gehen sogar noch weiter, heißt in der Presseerklärung doch gleich am Anfang „Das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz (ULD) fordert alle Stellen in Schleswig-Holstein auf, ihre Fanpages bei Facebook und Social-Plugins wie den „Gefällt mir“-Button auf ihren Webseiten zu entfernen.“ Demnach wünscht man sich auch den Rückzug der Fanpages von facebook. Das ist allerdings eine Forderung, die kaum durchsetzbar ist. Allerdings stellt sich die Frage, wie viel Sinn die Fanpage bei facebook noch hat, wenn man die eigene Seite nicht mehr mit facebook verlinkt.

Webseitenbetreiber aus anderen Bundesländern sollten sich nicht zu früh freuen, denn die Datenschutzbeauftragten der anderen Länder werden nachziehen, wenn facebook nach diesem Vorstoß aus Schleswig Holstein den Umgang mit europäischen Internetnutzern nicht ändert. Und das ist nicht zu erwarten. Weiter besteht die Gefahr von Abmahnungen, denn das Einbinden des facebook-Button könnte man nun als unzulässige Vorteilnahme im Sinne des unlauteren Wettbewerbs ansehen.

Kurze Schlußbemerkung in eigener Sache: TelkoTalk hat nie einen facebook-Button gehabt und wird ihn auch nicht bekommen. Ebenso wird bewußt auf Dienste wie z.B. Google Analytics verzichtet. Die „Bauchschmerzen“ der Datenschützer waren dem Blogger schon länger bekannt.

geschrieben von Holger \\ tags: , , , , , ,