Dez 30

Traditionell wagt man zum Ende eines Jahres einen Blick in die Zukunft. Neben Verfahren wie Karten legen, aus dem Kaffeesatz oder den Eingeweiden toter Tiere lesen hat sich der Blick in die Glaskugel bewährt. Also frisch ans Werk und ins Kristall geschaut:

Windows 9

Obwohl Microsoft beteuert, wie erfolgreich Windows 8 doch ist und der Start noch erfolgreicher verlaufen sei als der von Windows, wird es bereits 2013 den Nachfolger Windows 9 geben. Es ist zu erwarten, dass es auf dem Desktop so ein wenig die Rolle rückwärts geben wird. Die Kacheloberfläche wird bleiben, aber der Zwang dazu wird wohl entfallen. Bis Windows 9 erscheint wird es zahlreiche PCs und Notebook geben, denen neben der Windows 8 Lizenz auch eine Downgradelizenz für Windows 7 beiliegt. Es zeigt sich deutlich, dass Windows 8 im Business-Bereich unerwünscht ist, nicht zuletzt, weil viele Firmen erst frisch auf Windows 7 umgestellt haben oder dies noch machen.

Firefox OS

In Q2 2013 kommen die ersten Smartphones mit Firefox OS auf den Markt. Dies wird zunächst eher auf preiswerten Geräten geschehen, denn bei diesen Geräten spielen Lizenzkosten, die bei Einsatz von Firefox OS eingespart werden können, eine größere Roll als bei den Top-Geräten. Viele Netzbetreiber sehen mit Firefox OS die Chance, eigene App-Ökosysteme zu etablieren und dadurch Mehreinnahmen durch das Anbieten von Content erwirtschaften zu können. Spannend bleibt die Frage, ob auch namhafte Hersteller wie HTC und Samsung noch 2013 Geräte mit Firefox OS anbieten. Auch wenn es Steve Ballmer und die Chefetage bei Nokia nicht gerne lesen wird: 2013 werden genauso viele Smartphones mit Firefox OS verkauft werden wie mit Windows 8. Und wenn Nokia weiterhin ausschließlich Windows Smartphones anbieten wird, sollten sich die Finnen schon mal einen guten Insolvenzverwalter suchen. Wenn man mit Rücksicht auf das Abkommen mit Microsoft kein Android anbieten möchte (oder darf?), blieben als Alternativen noch Tizen oder eben Firefox OS.

Datenschutz

2013 wird das Thema Datenschutz eine sehr große Rolle spielen. Nach den Datenverlustjahren 2011 und 2012 sind die meisten größeren Betriebe sensibilisiert und ergreifen Massnahmen, um ihre Kundendaten besser abzusichern. Die Pleite des Computerhändlers K&M Elektronik im Oktober 2012 als Folge des wiederholten Kundendatendiebstahls sollte wirklich auch dem letzten Manager die Augen geöffnet haben. Datenschutz ist kein teurer Luxus, sondern ein Muss. Allerdings haben viele kleine und mittelständische Firmen enormen Nachholbedarf. Die viel verbreitete Meinung, nur die Großen würden von Hackern angegriffen, stimmt schon lange nicht mehr. Im Gegenteil: Viele spektakuläre Angriffe auf große Firmen wurden von Hackern verübt, die keine wirtschaftlichen Interessen verfolgten, sondern es der Firma einfach nur zeigen wollten, dass sie besser sind. Für die betroffenen Firmen war der Schaden dennoch immens. Schon seit Jahren werden aber gerade die kleineren Betriebe teilweise sehr gezielt von Kriminellen angegriffen und ausspioniert. Oft über lange Zeiträume unentdeckt wandern hier wertvolle Daten wie Kundendaten, Angebote oder gar Konstruktionspläne in die Hände der Kriminellen, die solche Daten an Wettbewerber verkaufen. Die Betroffenen merken es im Regelfall nur per Zufall. Neuerdings laufen viele Angriffe  automatisiert über Bot-Netzwerke – für den Angreifer ist das sehr kostengünstig, auch wenn die Gefahr, dass der Angriff bemerkt wird, höher ist. Hier hilft nur der konsequente Einsatz von guter Schutzsoftware und das ständige Aktualisieren der eingesetzten Software. Hier zählt jede Stunde, denn einmal bekanntgewordene Sicherheitslücken wurden in den letzten Jahren oft nach wenigen Stunden massiv ausgenutzt. Der zunehmende Einsatz von webbasierten Cloud-Lösungen erhöht die Risiken um ein vielfaches. Ironischerweise sind hier die Privatkundenprodukte wie z.B. eine Telekom-Cloud oft  sicherer als die meisten gewerblichen Angebote. Wer Cloud-Lösungen einsetzen will, sollte daran denken, dass er einen deutschen Anbieter oder einen Anbieter aus einem „sicheren Drittstaat“ wählt. Dazu zählen neben den EU-Staaten nur sehr wenige andere Länder – nicht z.B. die USA. Bei US-Anbietern besteht unabhängig vom Serverstandort immer die Möglichkeit, dass US-Behörden (legitimiert durch den „Patriot Act“) Zugriff auf die Daten nehmen. Der Einsatz solcher Lösungen ist daher nach dem deutschen Datenschutzgesetz nicht gestattet. Leider wächst in immer mehr Ländern die staatlichen Begehrlichkeit auf den Cloud-Zugriff, so dass solche Lösungen immer bedenklicher werden.

Trojaner

Trojaner werden uns auch 2013 stark beschäftigen. Der Trend der letzten Jahre wird klar fortgesetzt: Der Computerschädling 2013 verfolgt wirtschaftliche Interessen, die Zeiten, zu denen Viren und Würmer aus Spass in Umlauf kamen, sind lange vorbei! Der moderne Trojaner erpresst Geld, klaut Daten oder klaut Rechenleistung (Bot-Netze), um verteilte Attacken auf andere Rechner fahren zu können. Neu ist 2013, dass neben den PCs und den Smartphones nun auch die Smart-TVs in das Visier der Kriminellen rücken. Moderne Flachbildfernseher mit Internet-Zugang bieten reichlich nutzbare Rechenleistung und sind oft nur mangelhaft geschützt, wie erst kürzlich eine Meldung über Samsung TVs belegt. Dabei wird die Sicherheitslage der Samsung Geräte kein Einzelfall sein und kaum ein Verbraucher kommt auf die Idee, dass es hier eine Bedrohung gibt. Besitzer von Rechnern mit Windows XP sollten sich im kommenden Jahr Gedanken um den Wechsel des Betriebssytems oder des Rechner machen – Microsoft wird den Support, also das Bereitstellen von Updates zum Stopfen von kritischen Sicherheitslücken, zum Jahreswechsel 2013/2014 einstellen. Schon heute sind Rechner mit XP deutlich gefährdeter als mit neueren Versionen.

Die Grunddevise fürs kommende Jahr ist daher ganz einfach: Aufpassen, vorsichtig sein. Wie im realen Leben.

In diesem Sinne,

ein frohes neues Jahr!

geschrieben von Holger \\ tags: , , , ,

Hinterlasse ein Kommentar