Nov 03

Gut fünf seit den ersten Enthüllungen um die Abhörpraktiken der NSA dachte man ja wirklich, nun kommt nichts Neues mehr. Falsch gedacht. Im Schlepptau um die Entrüstungen um das Kanzlerhandy platzte eine andere Bombe ungeahnten Ausmasses:

Die NSA hat nicht nur die großen US-Anbieter wie z.B. Apple, Facebook, Google, Microsoft oder Yahoo zur Mitarbeit gezwungen, sie hat deren internationale Leitungen auch noch heimlich angezapft. Doppelt ausspähen ist halt sicherer. Hierbei haben die Nachrichtendienste anderer Länder die NSA unterstützt, allen voran die Briten. Bei Google scheint man das geahnt oder befürchtet zu haben – der Konzern verschlüsselt seit 2012 teilweise auch den Datenverkehr zwischen seinen Rechenzentren und bietet den Kunden den sichereren Perfect Forward Security Schlüsselaustausch an.

Angesichts dieser Enthüllungen muss man den Eindruck gewinnen, dass die Geheimdienste der USA und einige Verbündeten wirklich alle Kommunikation ausspähen und teilweise aufzeichnen, derer sie habhaft werden und da scheinen die technischen Möglichkeiten sehr weitreichend zu sein. Und da muss sich jeder Internetnutzer die Fragen stellen:

Kann ich den US-Anbietern im Netz noch trauen?

Kann ich dem Internet noch trauen? Denn das wird ja von US-Firmen dominiert.

Es geht nicht nur um das Vertrauen in die US-Anbieter – die sind inzwischen teilweise sehr redlich um Datenschutz bemüht. Es geht um die Staaten, die sie zu Datenherausgabe zwingen und die den Firmen offenbar nicht vertrauen, sondern diese auch noch heimlich angezapft haben. Es wird sich zukünftig noch zeigen, welche Staaten außer den USA hierbei noch eine Rolle spielten.

Ich glaube, etwas weniger USA in der Netznutzung wäre ganz ratsam. Apple und Google (Android) dominieren den Smartphone-Markt und die meisten Nutzer vertrauen ihrem Smartphone eine Menge Daten an, die sie als vertraulich betrachten. Alternativen dazu gibt es derzeit leider kaum. Samsungs Bada soll durch Tizen ersetzt werden und das neue Firefox OS ist noch keine vollwertige Alternative.

Da sieht es beim Suchen schon anders aus. Statt Google (Marktanteil in Deutschland Anfang 2013 satte96%), Bing oder Yahoo können Sie auch mit MetaGer suchen. Diese Suchmaschine wird vom SUMA-EV – Verein für freien Wissenszugang betrieben und basiert auf den Ergebnissen verschiedener Suchmaschinen. MetaGer existiert wie auch die speziell für Kinder zugeschnittenen Suchmaschine BlindeKuh bereits seit 1997. Eine weitere europäische Alternative ist der niederländische Dienst Ixquick, den Sie natürlich in deutsch nutzen können. Die Niederländer werben mit Datenschutz und Privatsphäre. Ahnlich wie MetaGer nutzt Ixquick verschiedene Suchmaschinen APIs.

Ich glaube, etwas weniger USA im Internet würde dem Internet sehr gut tun und wenn wir Nutzer den US-Firmen über unser Verhalten zeigen, dass wir mit der Schnüffelei nicht einverstanden sind, dann wird das auch die US-Regierung merken. Sinkende Umsätze in der Schlüsselindustrie der USA dürften dort eher zum Einlenken führen als Apelle deutscher Politiker. Wenn z.B. deutsche Industriekonzerne aus Spionageangst von Windows XP zu Linux statt zu Windows 7 oder 8 migrieren, dann hätte das mehr Gewicht als die Betroffenheit deutscher Politiker über das abgehörte Merkel-Handy.

geschrieben von Holger \\ tags: , , , , , , ,

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