Apr 19

Auf der CeBit 1989 fiel der Startschuss von der Bundespost für ISDN. Unter dem Begriff „Integrated Services Digital Network“ konnten sich seinerzeit viele Menschen nichts vorstellen. ISDN ermöglichte jedoch erstmals die digitale Übertragung mehrere Gespräche auf einer Anschlussleitung. Dabei war es egal, ob es sich um Sprache, Daten, Text und Bilder handelte. Mit ISDN kamen außerdem beliebte Dienstmerkmale wie Rufnummernanzeige, Dreierkonferenz, Rufweiterleitung oder automatischer Rückruf für den Fall, dass die angerufene Nummer besetzt ist. ISDN bildete außerdem die Basis für die Digitalisierung des Telefonnetzes und führte zu einer enormen Steigerung der Sprachqualität – auch bei den Analoganschlüssen.

Nach einem holprigen Start kam dann Anfang der 90er parallel zum Faxboom der Durchbruch. Mit Slogans wie „1 Anschluss, 2 Leitungen, 3 Rufnummern, unendlich viele Möglichkeiten“ wurde auch Privatkunden der neue Anschluss schmackhaft gemacht. Zwischenzeitlich gab es zwei Förderprogramme, mit denen Umsteigern auf ISDN die erforderliche TK-Anlage mit bis zu 700 DM subventioniert wurde. Der Faxboom und der Trend zum Zweitanschluss für das Faxgerät sorgte auch im Westen Deutschlands für einen Leitungsmangel bei Anschlussleitungen – im Osten waren Anschlussleitungen nach der Wende ohnehin Mangelware und mußten nachgelegt werden. Durch die erfolgreichen ISDN-Kampagnen konnte die Kabelneuverlegung im Westen meist vermieden werden.

Heute, 25 Jahre später, steht der ISDN-Anschluss auf der Liste der bedrohten Tierarten. Die Weitverkehrsnetze arbeiten schon heute weitestgehend auf IP-Basis und die doppelte Technik am Anschluss für den Telefoniedienst und DSL führen zu hohem Kostenaufwand. Dazu kommt, dass die meisten bereits in den 90ern verbauten ISDN-Baugruppen ausgetauscht werden müssen, da sie am Ende Ihrer Lebenserwartung sind und die Hersteller dafür keinen Service mehr bieten. Die Telekom hat im Februar diesen Jahres das ehrgeizige Ziel verkündet, auch das deutsche Netz bis 2018 auf IP-Technik umgestellt zu haben. Bei den Privatkunden ist man schon fleißig dabei, die Call & Surf Universal-Anschlüsse auf IP Technik umzustellen. Ob das hier bereits vorgelegt Tempo auch bei den Geschäftskundenanschlüssen beibehalten werden kann, ist noch fraglich. Schließlich hat man bei denen noch gar nicht begonnen und selbst das schon eingestellte „Nationale ISDN“ soll noch vereinzelt bei Großkunden im Bestand sein.

Trotzdem: Wenn unser geliebtes ISDN seinen 30. Geburtstag 2019 erlebt, dann auf der Hospiz-Station. Die Netzumstellung kommt und sie kommt schneller, als viele am Markt glauben. Wie sagt man? Wenns am Schönsten ist soll man gehen…

Also auf die letzten 5 Jahre ISDN!

geschrieben von Holger \\ tags: , , , , , , ,

1 Kommentar to “25 Jahre ISDN – Eine Erfolgstory geht zu Ende”

  1. Dolphin IT-Systeme e.K. sagt:

    Fit für die Zukunft? Die Telekom schaltet analog und ISDN auf IP um!

    Bis 2018 will die Telekom nach und nach alle analogen und ISDN-Anschlüsse auf die IP-Variante umstellen. Aktuelle Telefonanlagen unterstützen diesen Standard bereits. Betroffen sind alle Anlagen- und Mehrgeräteanschlüsse – sowohl privat als auch geschä…

Hinterlasse ein Kommentar