Nov 24

Immer mehr Kunden der Telekom Deutschland erhalten Anrufe oder Post, in der Sie zum Wechsel auf einen neuen Anschluss gedrängt werden. Insbesondere externe Call Center, die im Auftrag der Telekom anrufen, scheinen da ein sehr verunsicherndes Wording zu nutzen und drohen den Kunden den Verlust Ihrer Anschlüsse und Rufnummern an, wenn sie nicht umstellen wollen. In den letzten Wochen haben viele Medien dieses Thema aufgegriffen und ihrerseits mehr zur Verunsicherung der Verbraucher als zu ihrer Information beigetragen.

Telkotalk macht da nicht mit!

Hier ein ein Versuch, etwas Klarheit in dieses komplexe Thema zu bringen.

Die Telekom Deutschland will ihr Netz bis Ende 2018 komplett auf IPv6 und „All IP“ umstellen. Zu den Auswirkungen komme ich später. Zunächst einmal die Gründe, warum man diese Umstellung macht:

  1. Derzeit werden für verschiedene Dienste viele Netze parallel betrieben. Dies ist unwirtschaftlich, weil damit Ressourcen verschwendet werden. Die Telekom Deutschland plant ein modernes einheitliches Netz auf IPv6 Basis, dass in dieser Form europaweit zum Einsatz kommen wird und seit Ende 2013 bereits in Mazedonien läuft.
  2. Die alte digitale Vermittlungstechnik basiert auf Konzepten der 80er Jahre und ist schlicht am Ende der Lebensdauer. In den letzten Jahren häufen sich z.B. die Ausfälle alter ISDN-Portkarten und der Ersatz wird immer schwieriger. Die Industriepartner (Ausrüster) haben den Support für diese Technik nur noch bis Ende 2018 verlängert. Dieses Supportende betrifft übrigens fast alle Teilnehmer am Markt, also auch die Wettbewerber der Telekom.
  3. Die alte Technik verbraucht z.B. so viel Strom, dass die Telekom Deutschland gleich nach der Deutschen Bahn Deutschlands zweitgrößter Stromverbraucher ist. Auch der Wartungsaufwand ist viel zu hoch. Um zukünftig wettbewerbsfähig zu bleiben, wird nun investiert.

Welche Telefon-Anschlüsse wird es zukünftig geben?

  1. Analog: Der klassische Analoganschluss ohne DSL wird auch zukünftig angeboten, denn dazu ist die Telekom verpflichtet. Die Umsetzung von IP erfolgt im Netz. Dieser analoge Anschluss der neuen Generation kann daher nur für Telefonie genutzt werden. Die meisten heute im Einsatz befindlichen Wählgeräte (Aufzüge, Alarmanlagen usw.) können nicht weiter verwendet werden.
  2. ISDN: Der reine ISDN-Anschluss ohne DSL wird vorerst weiter betrieben. Auch hier erfolgt die Umsetzung auf IP durch abgesetzte Peripherie. Vorsicht: Der „neue“ ISDN-Anschluss ist ein reiner Sprachanschluss, denn an dieser ISDN-Variante stehen ISDN-Datendienste wie z.B. X.31 nicht mehr zur Verfügung.
  3. ALL-IP Anschlüsse Privatkundenwelt: Technisch reine ADSL-Anschlüsse mit splitterloser Technik und ISDN-Merkmalen für die Telefonie. Also zwei gleichzeitigen Gesprächen und bis zu 10 Rufnummern. Die Vermarktung erfolgt unter dem Namen Magenta Zuhause. Vorsicht bei geschäftlicher Nutzung mit TK Anlagen: Dieser Einsatz wird nicht empfohlen!
  4. ALL-IP Anschlüsse Business: Technisch reine ADSL-Anschlüsse mit splitterloser Technik und ISDN-Merkmalen für die Telefonie. Die Vermarktung erfolgt ab Frühjahr 2015 unter dem Namen Business Complete. Im Gegensatz zum Privatkundenprodukt kann hier die Anzahl der Gesprächskanäle in 2er Stufen auf 8 erhöht werden. Das Produkt wird ab 2016 auch als Anlagenanschluss (SIP Trunk) verfügbar sein.

Wann braucht man neue Geräte?

Bisher wurde in Deutschland der DSL Standard „Annex B“ (ADSL over ISDN) genutzt. Der Frequenzbereich bis 140KHz wurde für die Telefonie genutzt, darüber war das DSL Signal. Die Trennung erfolgte mit einem Splitter, analog einer Frequenzweiche bei einem Lautsprecher. Details zum alten ADSL finden Sie auf meiner Webseite Anschluss-frei.de. Zukünftig entfällt das klassische Telefoniesignal, da die Telefonie über IP abgewickelt wird. Diese neue Technik „Annex J“ erfordert in den meisten Fällen auch einen neuen Router. Nur wenige Geräte beherrschen bereits diesen neuen Standard. Wer seine alten analogen Telefone weiter nutzen will, greift idealerweise zu einem Router mit eingebautem ATA-Wandler. Alternativ kann man natürlich neue IP-Telefone kaufen.

Kann ich bis 2018 warten?

Die Telekom muss in den nächsten Jahren allein 37 Millionen Privatkundenanschlüsse umstellen. Zeitgleich wird im ganzen Bundesgebiet die Technik ausgetauscht und umgebaut. Das geht mit dem schrittweisen Abbau alter Technik einher. In einigen Orten ist dieser Umbau bereits in vollem Gange. In diesen Orten muss bereits jetzt der Anschluss umgestellt werden, will man nicht eine Kündigung des Anschlusses riskieren. Lediglich Geschäftskunden haben noch einige Monate Schonfrist, sofern sie die teureren Business-Tarife nutzen.

Ich bin bei XY. Kann ich mein ISDN behalten?

Für Kunden anderer Anbieter gilt ähnliches wie bei der Telekom. Auch diese Anbieter werden umstellen, denn auch deren Systemlieferanten haben die alte Technik abgekündigt. Viele Anbieter schalten ihre Neukunden seit Jahren auf IP-Anschlüsse. Der Wechsel der ISDN-Bestandskunden geht aufgrund geringer Kundenzahlen deutlich schneller als bei der Telekom. Diese Anbieter können also noch ein wenig warten, um ihren Wechsel ebenfalls bis Ende 2018 vollziehen zu können.

So und nun bin ich auf eure Fragen und Kommentare gespannt.

geschrieben von Holger \\ tags: , , , , , ,

Hinterlasse ein Kommentar