Feb 02

Zugegeben: Die Überschrift „Wallenhorster Verhältnisse“ stand bislang eher für Mißstände im Rathaus. Hier soll es aber nur um die Internetversorgung des Ortes Wallenhorst im Norden Osnabrücks gehen.

In Wallenhorst sind die Anbieter EWEtel (Osnatel), Telekom Deutschland GmbH und Kabel Deutschland (Vodafone) im Festnetz aktiv. Darüber hinaus bieten die Telekom und Vodafone LTE an.  Im Januar 2015 kam ein kleines Glasfaser-Inselnetz der Gemeindewerke hinzu, dass von der Firma Komnexx betrieben wird und das Neubaugebiet „An der Barlager Brücke“ mit Internet versorgt. Dazu später noch mehr.

Auf dem klassischen Telefonkabel bieten in Wallenhorst die EWEtel (unter der Marke Osantel) und die Telekom Deutschland GmbH DSL und Telefonie an. Die EWEtel nutzt das Leitungsnetz der Telekom, betreibt aber eigene Technik in den Hauptverteilern (HVT) in Wallenhorst. Weitere Anbieter wie z.B. 1&1 oder O2 nutzen sowohl die Leitungen als auch die Technik der Telekom als Wiederverkäufer und bieten Ihre Produkte über diese „Bitstream-Access“ genannte Methode an. Es gibt in Wallenhorst drei Hauptverteiler (HVT) in den Ortsteilen Wallenhorst, Hollage und Rulle. In den HVT stehen auch die DSL-Ports, so dass sich alle Angaben zur Reichweite des DSL-Signals auf die Entfernung des Hauses zu diesen HVT bezieht. Der Ortsteil Lechtingen wird größtenteils vom HVT in Wallenhorst versorgt, ein Teil auch von Rulle und von Osnabrück (Pye). Aufgrund der Kabellängen ist die DSL-Verfügbarkeit in Lechtingen grundsätzlich schlechter als in den anderen Ortsteilen.

Die Telekom bietet in Wallenhorst neben ADSL auch VDSL an, der Verfügbarkeits-radius ist aber mit jeweils ca 300m um die drei HVT herum sehr gering. EWEtel bietet aktuell noch kein VDSL an, obwohl für die 2. Jahreshälfte 2013 ein Ausbau vorgesehen war.

Das Breitbandkabelnetz von Kabel Deutschland (zukünftig) wurde in den 80er Jahren in den Wohnsiedlungen errichtet und seitdem nur noch punktuell erweitert. Das Wallenhorster Netz wird vom Kabelkopf Bramsche versorgt und wurde Mitte des letzten Jahrzehnts auf EuroDOCSIS 2 aufgerüstet. Anfang 2014 erfolgte die Umstellung auf EuroDOCSIS 3. Damit sind aktuell Bandbreiten von bis zu 100Mbit/s möglich. Ein Ausbau des Kabelnetzes erfolgte in den letzten Jahren nicht mehr, so dass neue Neubaugebiete schon seit der Jahrtausendwende nicht mehr an das Breitbandkabelnetz angeschlossen wurden.

LTE ist im Gemeindegebiet aktuell nur von Telekom und Vodafone verfügbar. O2 hat den LTE Ausbau für das Jahr 2015 angekündigt, aber Stand Januar 2015 noch nicht begonnen. Besonders Vodafone hat in den letzten Jahren inWallenhorst LTE sehr aggressiv als Festnetz-Ersatz vermarktet und kann im gesamten Gemeindegebiet eine sehr gute LTE-Versorgung bieten. Aufgrund der vielen Kundenverträge arbeitet das Netz aber inzwischen an den Grenzen seiner Leistungsfähigkeit und ist zeitweise stark überlastet, wie es in einigen anderen Gemeinden im Landkreis schon länger der Fall ist. Vodafone hat daher die aktive LTE-Vermarktung beendet und den LTE Shop in Wallenhorst schon Anfang 2014 wieder geschlossen.

Durch die vier Ortsteile, von denen drei einen HVT haben, sind die Kosten für eine Erschließung im Verhältnis zur Einwohnerzahl von knapp 23.000 relativ hoch. An den Rändern und im Ortsteil Lechtingen (ohne HVT) ist die DSL-Verfügbarkeit schlecht. Eine deutliche Verbesserung der Situation ließe sich erreichen, wenn zwischen den Ortsteilen und in Lechtingen ein Ausbau mit neuen Kabelverzweigern und Outdoor-Ports erfolgen würde. Ein solcher Ausbau erfolgte z.B. 2010 in den Belmer Ortsteilen Vehrte und Icker mit finanzieller Hilfe der Gemeinde Belm und war von EWEtel auch für Wallenhorst bereits für 2013 vorgesehen, aber nicht erfolgt. Möglicherweise spielt hier der starke Wettbewerb vom TV-Breitbandkabel eine hemmende Rolle, denn die älteren Baugebiete wurden bis Anfang der 90er fast vollständig erschlossen. Seit dem Übergang von Post/Telekom zu Kabel Deutschland erfolgte jedoch kein weiterer Ausbau mehr und die Gewerbeflächen zwischen Wallenhorst und Hollage sind ebenfalls unversorgt, weil das Kabel damals ja nur für den TV-Empfang genutzt wurde.

Im Jahr 2014 wurden immerhin zwei Ausbauten angeschoben:

  1. Die Wallenhorster Siedlung Brockhausen wird versorgt. Im November 2014 begann der Ausbau der EWEtel, unterstützt durch die Stadtwerke Osnabrück und die TELKOS. 180 Haushalte werden mit diesem Ausbau versorgt. Die Siedlung liegt nahe am Stichkanal Osnabrück und recht tief, so dass auch kein LTE Empfang bestand.
  2. Das Neubaugebiet „An der Barlager Brücke“ wurde mit Glasfaser direkt in die Wohnung (FTTH) versorgt. Die in Wallenhorst regierende „Kooperation“ bestehend aus SPD, Bündnis90/Die Grünen und der Wallenhorster Wählergemeinschaft hat sich auf die Fernwärmeversorgung des Neubaugebietes verständigt. Vom ursprünglichen Plan, dieses als Teil der Energiewende mit regenerativen Ernergien zu betreiben, blieb am Ende nichts üblich. Das Blockheizkraftwerk wird nun mit normalem Erdgas befeuert. Angesichts der Tatsache, dass der Wärmebedarf der Neubauten aufgrund gesetzlicher Vorgaben recht niedrig ausfallen wird, muss am ökonomischen Sinn dieses Vorhabens gezweifelt werden. Das Blockheizkraftwerk steht nicht im Neubaugebiet, sondern etwa einen km weit entfernt. Um die Unwirtschaftlichkeit zu komplettieren, wurden nun auf Kosten der Gemeindewerke Glasfasern vom Blockheizkraftwerk in das Neubaugebiet gezogen. Die Firma Komnexx hat Ende 2014 das Netz gepachtet und wird neben der Steuerung der Fernwärme darüber auch Internet und Telefon anbieten. Der Anbieter hofft natürlich, einige zahlungskräftige Firmenkunden entlang der Strecke zwischen Blockheizkraftwerk und Neubaugebiet gewinnen zu können. Gelingt dies nicht, dürfte dieses Projekt nur Verlierer kennen. Die Kosten des Projekts sind angesichts der knapp 20 Häuser in diesem Neubaugebiet viel zu hoch.

Was weiter fehlt, ist eine flächendeckende Nachverdichtung, also ein Ausbau mit Kreuverteilern und eine Verkürzung der Kupferleitungen. FTTH-Inselnetze wie für das neue Baugebiet sind eine schöne Luxusversorgung für die wenigen, die dort wohnen. Das wäre ok, wenn die Versorgung ohne den Einsatz öffentlicher Gelder geschehen würde. Öffentliche Gelder müssen maßvoll und mit einer möglichst breiten Wirkung eingesetzt werden. Wallenhorst braucht FTTC und FTTdp und keine prestigeträchigen FTTH-Projekte für Wenige.

geschrieben von Holger \\ tags: , , , , , , , , ,

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