Feb 11

Vor wenigen Tagen entschied Indiens Telekom-Aufsicht, die Pläne von Facebook zu einem kostenlosen „Free Basics“ Internet nicht zu erlauben. Dahinter verbirgt sich ein Internet Lite, das im Wesentlichen aus Facebook und einigen wenigen anderen Diensten bestehen würde.Die Entscheidung ist zu begrüßen. Das Internet lite ist zwar auf dem ersten Blick ein verlockendes Angebot, aber wo ist der Unterschied zu den verschenkten Öllampen im 19. Jahrhundert, die nur das Ziel hatten, einen Bedarf für teures Petroleum zu schaffen? Das Internet muss auch in den ärmsten Regionen ein Internet sein, dass einen freien und unzensierten Zugang zu allen Informationen bietet. Es gibt in den „Entwicklungsländern“ tolle Ansätze mit regional organisiertem Mobilfunk und Internet. Gespeist wird dies durch die vielfältige Anzahl an Open Source Projekten. So gibt es zum Beispiel eine Mobilfunk-Basisstation, deren Software vollständig Open Source ist und die nur wenige tausend Euro kostet. Natürlich haben die Ericssons, Nokias und Huaweis dieser Welt kein Interesse an solchen Lösungen, denn deren Mobilfunkstationen kosten ein Vielfaches! Die Open Source Lösung ist vielleicht eine Bastellösung, aber mangels Finanzen in einigen Gegenden eben alternativlos.

Wann immer wir hier Open Source nutzen und vielleicht auch mal ein paar Euro dafür spenden, profitieren auch die Nutzer in den Schwellenländern davon! Wer 99 Euro für Microsoft Office ausgibt, füttert Microsoft. Wer OpenOffice oder LibreOffice einsetzt und einen Teil des gesparten Geldes für diese Projekte spendet, der sorgt dafür, dass solche Software weiterlebt und diese Software auch in Ländern verbreitet werden kann, wo sich eben kaum jemand MS Office leisten kann.

Nicht Facebook und Google haben das Netz erfunden oder groß gemacht! Das waren neben Universitäten und Forschungseinrichtungen im zu einem ganzen Großen Teil Non-Profit-Organisationen. Nicht ganz ohne Grund ist die Software, die das Netz beherrscht, Open Source. Die beiden beliebtesten Webserver sind Apache (Marktanteil 49,9%) und NGINX (16%). Microsofts Information Server liegt bei 10%, ähnlich gering dürfte auch Microsofts Marktanteil bei den Serverbetriebssystemen liegen. Der Rest läuft mit Linux (Open Source) und ein paar noch mit BSD und Solaris. Ohne Open Source wäre das Internet tot. Bei Google weiß man das, nutzt viel Open Source und fördert auch viele Open Source finanziell und mit Manpower. Das bekannteste Programm, das lange von Google gefördert wurde, ist der beliebte Browser Firefox. Bei Facebook ist das eher so ein Schwamm Effekt. Sie nutzen ganz gewiß viel Open Source, verdienen damit Milliarden, aber geben nur recht wenig zurück.

Und da ist auch der Unterschied bei den Zugängen. Google stellt in einigen Gegenden der USA Glasfaseranschlüsse bereit. Das Basisprodukt ist kostenlos, schnellere Zugänge kosten Geld, sind aber relativ preiswert. Selbst die Basisanschlüsse bieten ein vollständiges Internet mit allen Diensten an! Kein Internet light wie es Facebook vorschwebt! Facebook sucht nach Wegen, wie man User an sich binden kann, denn der Zenith von Facebook in seiner ursprünglichen Form ist hier in Europa schon überschritten. Die Kids nutzen Whatsapp (ok, gehört jetzt auch zu Facebook) und was sie in 10 Jahren neben Google noch nutzen, das weiß heute noch niemand. Vielleicht ergeht es Facebook ja so wie Altavista. Kennt heute kaum noch jemand, aber das war vor Google die bekannteste und beste Suchmaschine im Internet.

Das Internet braucht Netzneutralität, damit es sich weiter entwickeln kann. Ohne neue Startups gibt es nur Stillstand. Ohne Netzneutralität können sich neue Angebote nicht durchsetzen. Das ausgerechnet ein Mark Zuckerberg, selbst als Start Up klein angefangen, anderen nun mit dem Internet Lite jede Chance rauben will, finde ich persönlich eine ganz miese Tour. Es ist ein Mißbrauch der eigenen Position und Indiens Regierung hat mit dem Verbot eine kluge Entscheidung getroffen.

geschrieben von Holger \\ tags: , , , , ,

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