Nov 25

Kaum konnte Sky durch etwas bessere Quartalszahlen etwas Ruhe in das Geschäft und den Aktienkurs bringen, da droht neuer Ärger und Ungewissheit:  Die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) hat die Geschäftsberichte des Senders aus den Jahren 2007 und 2008 intensiv geprüft und gleich mehrere fehlerhafte Angaben entdeckt. Der Aktienkurs von Sky setzte daraufhin zu einer neuen Talfahrt an.

Konkret wirft die BaFin nicht nur die bereits bekanntgewordene Falschangabe der Kundenzahlen vor.  Die BaFin kam nun zu dem Ergebnis, dass der Konzernbericht (damals noch Premiere)  zum Geschäftsjahr 2007 eine um 623.000 Kunden geschönte Abonnementenzahl auswies. Auch nach Abschluss des zweiten Quartals 2008 soll Premiere laut BaFin 611.000 Kunden mehr ausgewiesen haben als tatsächlich unter Vertrag standen.

Dies sind aber nicht die einzigen Kritikpunkte der BaFin. Dem damaligen Vorstand von Premiere wird vorgeworfen, im Jahresbericht 2007 nicht ausreichend über den Umfang der zu entrichtenden Gegenleistung für den Erwerb der Bundesliga-Sublizenz von arena informiert zu haben.  Weiter seien die Risiken in Zusammenhang mit dem geplanten Erwerb der Bundesligarechte für die Spielzeiten 2009/2010 bis 2011/2012 im Jahr 2008 nicht ausreichend beurteilt und erläutert worden. Der Vorstand wäre in der in der Pflicht gewesen, im Detail über die Folgen zu informieren, die ein Nichterwerb der Live-Rechte der Fußball Bundesliga gehabt hätte.

Auch über den Unternehmenswert gibt es nach Ansicht der BaFin Diskrepanzen. Sky hält die Feststellungen der BaFin für unzutreffend und will diese gerichtlich überprüfen lassen. Sollten sich die Angaben der BaFin bestätigen, käme für  Sky eine Korrektur der Geschäftsberichte in Frage. In diesem Falle könnten jedoch Schadensersatzansprüche von Anlegern auf den Konzern zukommen. Der Aktienkurs von Sky reagierte auf diese Nachrichten entsprechend negativ.

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Okt 11

Das ist rekordverdächtig: Microsoft hat via Twitter nicht weniger als 49 Patches für den Oktober-Patchday am 12. angekündigt. Davon sollen 4 Patches Lücken stopfen, die als kritisch eingestuft werden. Die genaue Liste wird es natürlich erst am Dienstag geben, wenn Micrsoft gegen Abend deutscher Zeit die Patches freigibt.

Über eins täuscht die schiere Zahl der Patches hinweg: Microsoft hat den Spitzenplatz bei den zu stopfenden Sicherheitlücken schon vor vielen Jahren an Oracle (inklusive SUN) abgeben müssen. Und nach Angaben des letzten Secunia Halbjahresberichtes 2010 hat nun Apple hier die ungeliebte Marktführerschaft errungen. Das Glück vieler Apple Kunden ist es wohl nur, dass nach wie vor die Mehrzahl der Kriminellen Windows angreifen, weil etwa 10 mal so viele Rechner mit Windows laufen als mit Apples Systemen. Vielfach wird auch behauptet, die Lecks bei Apple seien weniger kritisch, allerdings bestehen hieran angesichts neuester Erkenntnisse über Lücken bei älteren Ipods/Iphones inzwischen Zweifel. Während Microsoft seit Jahren offen angibt, welche Lücken geschlossen werden, ist Apple bei diesen Angaben sehr viel zugeknöpfter. Noch schlimmer: Apple hat in der Vergangenheit einige sehr kritische Fehler viel zu spät gepatcht. So zum Beispiel beim DNS-Bug, von dem im Jahr 2008 praktisch alle DNS betroffen waren und der in einer konzertierten Aktion am 8.7.2008 nach einem Vierteljahr Vorbereitungszeit (der Fehler wurde im März erstmals entdeckt) von praktisch allen betroffenen Herstellern mit Ausnahme Apples gepatcht wurde.

Zum Microsoft Patchday: Microsoft patcht Windows (alle supporteten Versionen) und die gängigen Anwendungsprogramme typischerweise immer am zweiten Dienstag eines Monats. Aufgrund der Zeitverschiebung sind die Patches hier in Deutschland erst zum Abend hin verfügbar.  “Ausser der Reihe” werden  sehr kritische Fehler “gepatcht”, deren Behebung keinen Aufschub mehr duldet, weil z.B. schon Angriffe im Umlauf, die diesen Fehler ausnutzen. Manchmal werden aber auch einige Tage vor dem Patchday vorbereitende Patches verteilt, z.B. ein neuer Update-Loader. Mit dem Patchday kommt Microsoft den Usern und insbesondere den Firmenkunden entgegen, die ihre Rechner nicht automatisch die Updates einspielen lassen möchten. Insbesondere bei privater Nutzung ist es jedoch sehr empfehlenswert, Windows automatisch die Updates einspielen zu lassen. Die Gefahr, durch versäumte Updates angreifbar zu werden, ist einfach zu groß.

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Jul 25

Ein schöner Sonntag vormittag und eigentlich wollte der Blogger mal seinen Senf zum Thema Netzneutralität kund geben. Aber die schrecklichen Bilder der Massenpanik der gestrigen Loveparade in Duisburg wollen ihm nicht aus dem Kopf. Auch wenn es schon einige Jahre her ist, hat er ja selbst die Loveparade besucht.  Und so gibt es den ersten Telkotalk-Beitrag, der so gar nicht mit Telekommunikation zu hat. Auf dem ersten Blick.

Mittlerweile sind 19 Todesfälle zu beklagen und mehr als 340 Verletzte – darunter noch einige in Lebensgefahr. Was letztendlich der genaue Auslöser für diese Massenpanik war, ist noch unklar. Zu widersprüchlich sind die Aussagen, was sich an und in der Unterführung abgespielt hat. Völlig unklar ist, ob die Besucher, die von Zäunen auf andere Besucher fielen, auf das Gelände wollten oder es aus Platzangst schon wieder verlassen wollten.

Klar ist lediglich: Das Gelände war für die 1,4 Millionen erwarteten Besucher viel zu klein.  Der einzige Zugang durch diese Unterführung hat dazu geführt, dass zum Zeitpunkt des Unglückes nur ca 500.000 Menschen auf dem Gelände waren und noch sehr viele Besucher nicht auf das Gelände gelangten. Der einzige Zugang hat auch dazu geführt, dass sich die Besucher nicht auf das ganze Gelände gleichmäßig verteilten, sondern in der Nähe der Unterführung blieben, wo es gefährlich eng wurde. Noch bevor das Unglück geschah, wollten daher viele Tausend Menschen das Gelände wieder verlassen. Was aber nur durch diese eine Unterführung ging, denn es gab auch keinen weiteren Ausgang.

Was genau geschah, werden Polizei und Staatsanwaltschaft sicherlich akribisch ermitteln. Jeder, der schon mal in einem Bundesligastadion war oder an Open Air Konzerten teilnahm, kann sich aber vorstellen, das nur ein Zugang schon bei nur 100.000 Besuchern ein gefährliches Nadelöhr ist. Erwartet wurden hier aber 1,4 Millionen Besucher. Und so hat es Warnungen im Vorfeld nicht gemangelt. Sicherlich wird man Ende einen Schuldigen ermitteln und evtl. sogar rechtlich belangen.

Der eigentlich Schuldige ist aber der Senat in Berlin. Durch seine völlig überzogenen finanziellen Forderungen (Kosten der Stadtreinung) und Auflagen mußte die Loveparade ja die Hauptstadt verlassen und ins Ruhrgebiet ausweichen. Die vom Senat geforderten Millionenbeträge für die Kosten der Stadtreinigung kann ein Veranstalter, der keine Eintrittsgelder kassiert, nicht aufbringen.

Den Angehörigen gilt heute das ganze Mitgefühl. Und so zündet der Blogger traurig ein Teelicht an und pfeift leise “Somewhere over the rainbow”. Er stellt sich die fetten Beats von Marushas Version dieses Kinderliedes vor und wünscht sich, dass die Opfer ihren Platz am anderen Ende des Regenbogens finden.

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Jul 15

Trotz schärferer Gesetze werden Deutsche immer häufiger durch Telefon-SPAM belästigt. Sei es durch Bandansagen, die dem Angerufenen mitteilen, er habe gewonnen und solle bitte zur Einlösung des Gewinns eine 0900er RUfnummer anrufen oder durch echte Mitarbeiter, die z.B. vorgeben, bei der ARD zu arbeiten und einem die frohe Kunde eines Gewinns von 330 Euro bei einem Gewinnspiel der ARD überbringen wollen. Wie selbstverständlich wird gefragt, ob der Gewinner sein Konto bei der Sparkasse oder der Volksbank habe – schließlich möchte man den Gewinn ja schnell überweisen. Auch beim Blogger rief diese “ARD” vor einigen Wochen an. Dank CTI-Software auf dem Rechner konnte die Rufnummer 032223321806 des Anrufers mit Hilfe von Google schnell als bekannte Nummer enttarnt werden.

Bei so vielen bekannten Fällen fragt sich der Verbraucher, warum nichts passiert. Telkotalk hat sich an die ARD gewandt, die in diesen Fällen auch ganz selbstverständlich von Betrugsversuchen spricht.

In der Stellungsnahme der Zuschauerredaktion heißt es weiter  “Das Landeskriminalamt Berlin ist zwischenzeitlich ebenfalls aktiv. Sie werden sicher Verständnis haben, dass es hinsichtlich der Strafverfolung mehr als problematisch ist, diese nur auf Basis von Berichten von Anrufen vorzunehmen. Wir vertrauen weiterhin auf das Justizsystem und die betrauten Instanzen und hoffen, dass die Anrufe bald aufhören.

Das klingt irgendwie wenig hoffnungsvoll. Natürlich sind der ARD selbst die Hände gebunden. Solange die strafverfolgenden Behörden nicht einmal den Täter ermitteln, kann man gegen diese weder straf- noch zivilrechtlich vorgehen. Und genau das ist der wunde Punkt in Deutschland.

In einem Artikel der FAZ wird am 10. Juli berichtet, dass die Bundesnetzagentur die Staatsanwaltschaften scharf kritisiert. Die Verfahren würden zu häufig eingestellt und die wirtschaftliche Dimension der Fälle völlig unterschätzt. Zudem sitzen die Hintermänner immer häufiger im Ausland und agieren mit deutschen Strohmännern und Briefkastenfirmen. Daher fordert die Bundesnetzagentur nun die Schaffung einer Schwerpunktstaatsanwaltschaft. Die Bundesnetzagentur geht davon aus, dass der Telefon-SPAM trotz teilweiser innerhalb weniger Tage erwirkten Abschaltungen von 0900er Rufnummern und Inkassoverboten für diese Nummern weiterhin äußerst lukrativ sein muss, da sich die Fälle immer mehr häufen. Immer mehr Verbraucher wenden sich mit Beschwerden diesbezüglich an die Netzagentur, die zum Ende diesen Jahres mit der Rekordzahl von 70.000 Beschwerden rechnet.

Liebe Frau Aigner: Natürlich ist Facebook eine “böse” Webseite und wenn man sich dort publikumswirksam abmeldet, weil der Datenschutz eher nicht vorhanden ist, dann findet Telkotalk das ok. Aber es wäre wünschenswert, wenn auch den Telefonbetrügern das Leben schwerer gemacht wird. An den angedrohten Strafmassen kann es nicht mehr liegen, die sind schon recht hoch. Aber solange niemand ernsthaftes Interesse an der Durchsetzung des geltenden Rechts zeigt, sind all diese schönen Verbraucherschutzgesetze zahnlose Tiger. Also Frau Aigner, auf gehts, stoppen Sie das Treiben der Telefon-Betrüger! Zeigen Sie den Verbrauchern, dass Deutschland ein Rechtsstaat ist, der seine Bürger vor allzu offensichtlichen Betrügereien schützt!

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Jun 19

Das viele Telefongesellschaften beim Service sparen, ist ja seit langem kein Geheimnis mehr. Auch wenn Anbieter ohne eigenes Netz Anfang des Jahres publikumswirksam einen langjährigen Angestellten als Service-Retter ins Rampenlicht gerückt hat, änderte sich effektiv wenig am Markt. Kein Wunder, haben die meisten Anbieter doch z.B. ihre Hotline an externe Call Center vergeben, wo der Anrufer sehr oft auf schlecht bezahltes und unzureichend geschultes Personal trifft. Nun wollte es das ZDF mal genauer wissen und beauftragte die Forschungsgruppe Wahlen mit einer telefonischen Umfrage. Befragt wurden 1203 represetentativ ausgewählte Kunden und die Ergebnisse überraschen kaum:

Demnach hatten 33,7% der Befragten in den letzten drei Jahren Ärger mit Ihrer Telefongesellschaft. 72,5% waren unzufrieden mit der Problembeseitigung, etwas die Hälfte der Befragten gab an, dass ihr Problem gar nicht gelöst worden sei und nur 6,7% waren mit der Lösung zufrieden. Das läßt tief blicken, zu mal die Probleme der Kunden im Wesentlichen die “Klassiker” sind, die wir schon seit einem Jahrzehnt kennen. Also Internetausfall, keine telefonische Erreichbarkeit (häufig nach Portierungen) und fehlerhafte Rechnungen. Einige Details veröffentlicht das ZDF auf der eigenen Webseite.

Die WISO-Redaktion hat eine Dokumentation produziert, die am Montag den 21.6.2010 um 19:40 (VPS 19:25) gesendet wurde. Man kann sie unter dem Link zum ZDF noch einmal ganz leider in Teilen anschauen. Leider wird diese Möglichkeit nur einige Wochen nach Ausstrahlung existieren.

Mir persönlich hat besonders die Aussage von Urs Mansmann (c´t) gefallen: “Also wenn man sich Ärger einhandeln will, ist es das Beste, den bisherigen Vertrag selber zu kündigen…”. Sehr zutreffend formuliert. Leider sind die meisten Endverbraucher, wie auch aus meiner eigenen beruflichen Tätigkeit weiß, genau in diesem Punkt beratungsresitent.

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Mai 15

Hatten Kritiker nicht schon lange vor der Datenkrake Google gewarnt? Zwar hatte facebook sich in den letzten Wochen größte Mühe gegeben, sich mit allerlei Maßnahme zum Feind Nr.1 aller Datenschützer zu machen, aber nun schlägt der Suchmaschinengigant zurück.

Nach hartnäckigem Bohren der Hamburger Datenschützer gab google heute zu, nicht nur Position, Kanal, SSID und Mac-Adressen privater WLAN-Netze gespeichert zu haben, sondern auch “Payload”.  Also Nutzdaten.  Also Mails, Webseiten usw. Und das seit 2007, also seit die ersten Autos für Streeview durch die Straßen der Welt fahren.

Damit hat Google die schlimmsten Befürchtungen noch übertroffen. Natürlich schreibt man sofort, die sei ein unbeabsichtigter Fehler und die Aufzeichnung von Payload gar nicht beabsichtigt gewesen. Und man habe ja nur Fragmente erwischt, da man alle 0,2 Sekunden den Kanal gewechselt habe. Das mag sogar alles zutreffen. Dass es allerdings drei Jahre lang niemand gemerkt hat, dass man bei den Streetview-Fahrten riesige Datenmengen Payload aufzeichnete und speicherte, erscheint schwer vorstellbar.

Googles Firmenmotto “Don´t be evil” hat heute doch einen heftigen Kratzer erlitten. Google hat in den letzten Wochen scheibchenweise das zugegeben, was sich nicht mehr leugnen liess. Natürlich werden nun die Kritiker gleich loswettern, sie haben es doch schon immer gewußt. Nein, liebe Kritiker, habt ihr nicht. Das systematische Aufzeichnen von Nutzdaten privater WLANs in mehr als 30 Ländern der Welt hat sich niemand vorstellen können.

Und die Konsequenzen? Die Bussgelder, die deutsche Datenschützer verhängen können, bewegen sich im Bereich bis zu 250.000 €. Für einen globalen Konzern wie Google sind das Beträge aus der Portokasse. Der mögliche Imageschaden wiegt schwerer. Gerade jetzt, wo Google mit dem Handy-Betriebssystem “Android” immer mehr in das Privatleben von Millionen Handynutzer eindringt. Möchten Sie ein Handy haben, von dem Sie nicht wissen, ob und was es alles so “nach Hause” zu Mama Google übermittelt? Dank GPS in den Telefonen sind da viele Dinge denkbar. Der Autor ist im Moment jedenfalls froh, ein Wunderwerk koreanischer Lötkunst ohne Android zu nutzen. Sicher ist sicher…

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Okt 24

Der Hersteller von Outdoor Bekleidung Jack Wolfskin, dessen Markenzeichen ein gelber Abdruck einer Wolfstatze ist, lenkt nach heftigem Protest der Netzgemeinde bei den Abmahnungen von Kleinstunternehmern wegen angeblicher Markenrechtsverstöße ein. Jack Wolfskin hatte 10 Anbieter auf der Internetplattform Dawanda abgemahnt. Angeboten wurden Textilien mit Pfotenabdrücken von Hunden oder Katzen. DaWanda ist ein Marktplatz für Unikate und Selbstgemachtes und es ging in allen Fällen um handgefertige Einzelstücke.

Nach heftigem Protest und den Drohungen erster Händler, Produkte von Jack Wolfskin aus dem Sortiment zu nehmen, lenkte man am gestrigen Freitag ein. ” Quelle

Den betroffenen Händlern erläßt man die Zahlung der anwaltlichen Kostennote und sieht von Schadensersatzforderugen ab. Man besteht aber weiter auf ein Verkaufsverbot. DaWanda sieht in diesem Einlenken einen Erfolg, wie man gestern nachlesen konnte. Für die akut Betroffenen ist das sicherlich richtig.

Der Fall wirft jedoch einmal mehr die Frage auf, wie weit Markenschutz geht und wie sehr gerade beim Markenrecht Geld eine große Rolle spielt. Ein gerichtliche Klärung der Frage, ob z.B. bei einem Kleidungsstück mit einer aus Glitzersteinchen gebildeten Abdruck einer Katzenpfote eine Verwechslungsgefahr mit dem Markenzeichen von Jack Wolfskin besteht, wäre doch sehr interessant. Aber Markenstreitigkeiten sind sehr teuer. Selbst bei unbekannten Marken wird ein Streitwert von 50.000 Euro angesetzt, bei bekannten Marken sind es häufig 1 oder 2 Millionen. Die erste “Runde” vor einem Landgericht kostet daher (abhängig vom Streitwert) mindestens 15.000 Euro.  Eine zweite Runde vor dem Oberlandgericht ist nicht unüblich und die dritte Runde beim BGH durchaus nicht ungewöhnlich. Schon das erste Gerichtsverfahren kann sich kein Kleinunternehmer geschweige denn eine Privatperson leisten. Übliche Rechtsschutzversicherungen decken das Risiko von Markenrechtsverfahren nicht ab. Und so bekommt ein dreister Konzern sein “Recht”, auch wenn er vielleicht im Unrecht ist, die Gegenseite sich aber den Rechtsstreit nicht leisten kann.

Natürlich darf ein Hersteller wie Jack Wolfskin seine Markenrechte verteidigen, um sich z.B. vor Plagiaten aus Asien zu schützen. Auf der Handelsplattform DaWanda werden jedoch handgemachte Unikate verkauft. Hier wäre der Outdoor-Hersteller gut beraten gewesen, vor dem Versand von Abmahnungen durch externe Juristen einmal das eigene Handeln auf soziale Kompetenz zu überprüfen. Oder sollte es die nur in den Werbebroschüren des Unternehmens geben? Sollten die in den letzten Tagen vielfach zu lesenden und sogar zu sehenden Kritiken über Ausbeutung von Näherinnen in El Salvador stimmen, die dort den Berichten nach für 173 Dollar Monatslohn Jack Wolfskin Textilien nähen? Verdient am Ende die chinesische Näherin, die ein Plagiat näht, mehr Geld als ihre Kollegin aus El Salvador, die das Original näht?

Wie dem auch sei: Die Geschäfstführung von Jack Wolfskin wird in den nächsten Wochen am Umsatz spüren, was der “Nokia Effekt” ist. Halbes Einlenken begrenzt zwar den Schaden, mehr aber auch nicht. Das Netz vergißt nichts, Herr Hell. Weder ein versehentlich bei Facebook eingestellte Foto vom letzten Koma-Saufen noch die Empörung über Abmahnungen.

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Sep 22

Seit gestern geistert die Meldung durch die Medien:

Die Bundesnetzagentur sperrt 7 Call Centern die Rufnummern. U.a. bei der Telecom-Handel nachzulesen. Diese Callcenter haben ihre Predictive Dialer wohl sehr agressiv wählen lassen. Dabei sind diese Dialer seit Jahren Branchenstandard und werden selbst in sehr seriösen Häusern verwendet. Sollte den Mitarbeitern der Bundesnetzagentur das bislang entgangen sein?

Was nun als Etappensieg der Bundesnetzagentur verkündet wird, ist doch eigentlich die Anzeige der Kapitulation. Wenn man die schwarzen Schafe unter den Call Centern nur mit Sperrung der Rufnummern bedrohen kann, ist es klares Indiz dafür, dass man eigentlich keine Möglichkeiten hat. Ob einem Outbound-Unternehmen die Rufnummer gesperrt wird oder in China der berühmte Sack Reis umfällt, ist egal. Beides hat keine Auswirkungen. Denn ein unseriöses Call Center will ohnehin nicht zurückgerufen werden. Die schwarzen Schafe blenden ohnehin oft falsche Rufnummern ein.
Aber wie könnte man das Problem wirklich in den Griff bekommen? Eigentlich ganz einfach, denn die agressive Wahl eines größeren Predictive Dialers könnte vergleichbar mit einem SPAM-Filter bei Mail erkannt und geblockt werden. Technisch sollte das heutzutage für die großen Netzbetreiber kein Problem mehr sein. Die Tatsache, an den Millionen Werbeanrufen noch mitzuverdienen, ist da eher ein Hinderungsgrund. Und natürlich die rechtliche Grundlage, in solchen Fällen die Netzneutralität zu verletzen.

Das aktuelle Vorgehen der Bundesnetzagentur ist aber wirklich nur ein PR-Gag. Ob es dem Wahlkampf geschuldet ist?

Gruß Holger

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