Jan 11

Wer heute die Nachrichten hörte oder sah, staunte nicht schlecht: Ein Virus in den Nachrichten! Dazu noch ein “alter” Schädling. Was steckt dahinter?

Der Virus, um den es geht, ist ein Trojaner. Er verbiegt im PC die Abfrage der Domainnamen. Der Rechner fragt nun nicht mehr bei den DNS-Servern des eigenen Providers, sondern auf Servern der Kriminellen nach den IP-Adressen. Einen DNS-Server braucht man, damit eine URL wie z.B. www.telkotalk.de in die richtige IP-Adresse (in diesem Beispiel 85.114.130.79) übersetzt wird. Ein solcher Server in der Hand von Kriminellen führt dazu, dass gezielt Seiten verbogen werden. Statt der gewünschten Webseite wird dem Surfer eine Fälschung untergeschoben, um seine Nutzerdaten für Webseiten wie facebook, ebay usw. abzugreifen. Oder Kreditkartendaten. Da nur wenige Seitenaufrufe umgebogen werden, der Rest normal funktioniert, bleibt es lange unentdeckt.

Im Falle des Trojaners “DNS-Changer” wurden dieTäter  im vergangen Herbst gefaßt, die manipulierten Server vorrübergehend vom FBI durch normale DNS-Server ersetzt. Aber der Trojaner war erfolgreich und aktuell sind es laut FBI mehr als 35.000 deutsche Nutzer täglich, deren Rechner nicht die DNS-Server ihres Providers nutzen, sondern die vom Trojaner verbogenen. Auf mindestens 35.000 deutschen PCs ist der Trojaner also noch aktiv!

Da das FBI will nun diese Server Anfang März abschalten und daher ruft das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt und der Telekom zum Test des eigenen Rechners auf Befall durch diesen Trojaner auf. Auf der Webseite www.dns-ok.de kann der Rechner einfach getestet werden. Dort findet man auch Tipps, um den Schädling bei Bedarf zu entfernen.

Noch einmal der dringende Rat: Schützen Sie Ihren Rechner durch einen wirksamen Virenschutz. Dazu kann man auch auf kostenlose Software zurückgreifen. Waren es vor Jahren Schüler, die aus Jux Viren schrieben und verbreiteten, so sind es heute fast ausschließlich gut organisierte kriminelle Banden, die mit Trojanern Daten ausspähen oder SPAM versenden wollen. Die Schädlinge schaffen es leider immer wieder, durch Lücken in veralteter Software auf die Rechner zu gelangen und Schutzsoftware zu umgehen.

Daher der dringende Rat:

1. Halten Sie das Betriebssystem und die verwendeten Programm immer auf dem aktuellen Stand.

2. Software, für die es keine Updates mehr gibt, sollte durch aktuelle Software eines anderen Herstellers ersetzt werden

3. Nutzen Sie Antivirensoftware. Diese muss nicht teuer sein – rudimentären Schutz gibt es sogar kostenlos. Kommerzielle Softwarelizenzen sind ab 20 Euro pro Jahr erhältlich.

 

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Mai 22

Der Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) hat den Hauptanteilseignern von Versatel ein  Übernahmeangebot gemacht. KKR soll sich mit diesen Eignern bereits auf einen Preis von 5,50 Euro pro Aktie geeinigt haben – am 27.4.2007 wurde die Aktie erstmalig zu einem Preis von 29 Euro gehandelt. Ca 92% der Versatel-Aktien werden von den Firmen Vienne (Apax Partners), Cyrte Investments BV sowie United Internet gehalten, der Rest ist im Streubesitz. Den Kleinaktionären soll ein Ubernahmepreis von 6,70 pro Aktie.

Der US-Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts & Co ist seit gut einem Jahrzehnt auch in Deutschland tätig und hat beispielsweise 1999 die Wincor Nixdorf von Siemens gekauft und 2004 erfolgreich an die Börse gebracht. Nach eigenen Angaben werden die gekauften Unternehmen im Schnitt nach sechs oder sieben Jahren wieder verkauft. In dieser Zeit werden die Firmen restrukturiert.

Sofern der Kauf vom Bundeskartellamt genehmigt wird, dürfen wir gespannt sein, wie es mit Versatel weitergeht und mit welcher Strategie KKR dieses Unternehmen wieder auf den Profitkurs bringen will.  Ohne einen eigenen Mobilfunkbetreiber sind vernünftige Kombiangebote oder “Festnetzanschlüsse” via Funk/LTE nicht realisierbar. Und es eher unvorstellbar, dass KKR auch den Mobilfunkanbieter eplus kauft, um aus beiden Firmen eine Einheit zu bauen.

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Jan 02

Das neue Jahr ist keine zwei Tage alt und in der Bundesliga gab es schon den ersten Trainerwechsel. Ganz so schnell ist unsere Telekommunikationsbranche nicht, aber auch dort stehen dieses Jahr wichtige Entscheidungen an. Entscheidungen, mit denen die Weichen für die nächsten Jahre gestellt werden.

Aber der Reihe nach: In diesem Jahr wird eine Vorentscheidung auf dem Smartphonemarkt fallen. Mehr als 50% aller dieses Jahr verkauften Mobiltelefone werden Smartphones sein. Auf diesem Markt geht es zunehmend nicht nur um Marktanteile bei den Geräten, sondern um die Betriebssysteme und die zugehörenden App-Markets. Platzhirsch war hier im vergangenen Jahr Apple. Das iPhone4 verkaufte sich trotz technischer Probleme besser als je zuvor. Auf dem Markt der Betriebssysteme ist jedoch Googles Android der neue Star. Googles Open Source-System hat im letzten Jahr Apples Absätze in vielen Ländern deutlich überflügelt – besonders stark in den USA. Allerdings verteilt sich der Erfolg auf viele Hersteller – allen voran HTC, Samsung, Sony-Ercisson und Motorola, denen mit Android-Telefonen das Comeback aus der Krise gelang. Stabil mit im Markt ist RIM mit seinem Blackberry-System. Kritisch wird es für Nokia. Hier setzt man weiter auf Symbian und das noch unfertige Meego. Die Kundschaft erwartet aber in den Oberklassegeräten mehr, als Symbian zu leisten vermag. Gerüchte zum Jahreswechsel brachten Nokia daher auch schon mit Microsoft in Verbindung. Windows Phone 7 auf Nokia Handies könnte sowohl für Nokia als auch für Microsoft der rettende Durchbruch sein. Für Microsoft wird 2011 zum Schicksalsjahr – flopt Windows Phone 7, dann ist Microsoft raus aus diesem Markt. Und das ist durchaus möglich.

Der Run auf die Smartphones bedeutet auch einen Run auf mobile Datendienste. Wurden im vergangenen Jahr die LTE-Frequenzen versteigert, so gilt es dieses Jahr, die Netze in Betrieb zu nehmen. E-Plus ist hier im ländlichen Raum nur Zaungast, denn man hat ja keine Frequenzen im 800 MHz-Band ersteigert. Und die Nachfrage nach mobilen Datendiensten kann E-Plus in eine Krise stürzen. Denn die mobielen Datendienste wurden in der Vergangenheit nur spärlich und mit geringen Kapazitäten ausgebaut. Dank des geringeren Invests in das Netz (im Vergleich zu den Marktbegleitern) hat riesige Gewinne erwirtschaftet und auch mit den vielen Discounterkunden gut verdient. Nun haben aber auch die Kunden der Discountermarken Smartphones und fragen Datendienste nach. E-Plus hat hier große Ausbaumaßnahmen angekündigt und es wird auch harte Arbeit werden, will man den Rückstand zu den anderen Netzen auch nur verkürzen.

Festnetz: Hier wird immer klarer erkennbar, dass ADSL und ADSL2+ Auslaufmodelle sind. Kurzfristig ist VDSL für die Telefonfirmen die Übergangstechnik zur Glasfaser, die direkt im Gebäude des Kunden endet. Die Kabelfirmen haben es besser, die Kapazitäten des TV-Kabel sind noch nicht ausgereizt. Und die Kunden laufen zu Tausenden zum Internet aus dem TV-Kabel über. Bei den DSL-Anbietern konnten nur noch die Telekom, Alice/O2 und Vodafone einen Zuwachs an DSL-Kunden vermelden. Die anderen Anbieter treten auf der Stelle oder verlieren gar Kunden. Dieser Trend wird sich 2011 noch verschäften. Die Kunden verlangen nach immer schnelleren Leitungen und immer häufiger nach IPTV-Lösungen. Nur die Telekom und Alice bieten IPTV an. Vodafone hat zwar einen Relaunch von IPTV angekündigt, aber mit dem Einstellen der Arcor-Dienste ging wertvolle Zeit und viel Know How verloren. Und so könnte Vodafone im Festnetz auch zukünftig zu den Verlieren gehören. Auf der Verliererseite waren 2010 schon Schwergewichte wie 1&1 oder Versatel.

Im IT-Bereich ist die Cloud in aller Munde. Nicht nur weil Microsoft damit für Windows 7 wirbt. Der Boom von Netbooks und Tablet-PC mit schwachbrüstiger Hardware läßt allerlei Softwareangebote aus dem Netz spriessen. Mit dem Spieleserver im Netz und einem Videostream zum eigenen PC kann der eigene Mittelklasse-PC mit veralteter Grafikkarte Spiele in Auflösungen spielen, die sonst nur mit den aktuellen und teuren Grafikkarten möglich waren. Und der Jahresbeitrag für so einen Dienst ist nicht teurer als ein aktuelles PC-Spieles. Sehr zum Nachteil der Grafikkartenhersteller

Tablet-PC werden 2011 der Renner sein. Neben dem Riesenerfolg vom Apple iPad konnte Samsung mit seinem 7″ Galaxy Pad einen Achtungserfolg verbuchen – mehr als 600.000 verkaufte Geräte. Zur CeBIT werden unzählige Notebook-Schmieden ihre PADs vorstellen. Und auch hier läuft der Kampf Android gegen Apples iOS. Microsofts Windows 7 ist derzeit aussen vor. Es ist erstens zu teuer und es braucht zweitens viel zu viel Rechenleistung. Viele der bislang vorgestellten Tablets lief mit eher schwachbrüstigen, aber sehr sparsamen Prozessoren mit ARM-Technolgie, für die Microsoft gar kein Windows anbieten kann. Auch hier könnte Microsoft dieses Jahr eine vorentscheidende Schlappe einstecken.

Satelliten-DSL: Trotz oder gerade wegen LTE wird sich auch beim Satelliten DSL etwas tun. Nach dem erfolgreichen Start des KA-Sat von Eutelsat in den letzten Tagen des alten Jahres wird es ab Frühjahr 2011 Satelliten DSL in nie gekannten Geschwindigkeiten geben. Brancheninsider gehen von Geschwindigkeiten von bis zu 20 MBit zu Preisen von monatlich deutlich unter 100 Euro aus. Aktuell kosten 2MBit via Astra2Connect bei der Telekom knappe 40 Euro und das ist schon ein Kampfpreis, den die Telekom auch nur gewährt, wenn man außerdem einen Festnetzanschluss mitbucht.

Und zum Schluss noch einmal das Bezahlfernsehen. Neben Sky haben wir ja auch noch HD+ im Rennen. Im November letzten Jahres sind die ersten 12Monatabos ausgelaufen. Zahlen, wie viele Kunden der ersten Stunde nach ihren freien 12 Monaten wirklich gezahlt haben, gibt es bislang nicht. Insgesamt hat man den Eindruck, dass der großen Durchbruch bei den verkauften Geräten bislang ausblieb. Die Zukunft von Sky bleibt spannend. Die drohende Zahlungsunfähigkeit wurde mit einer Kapitalaufstockung verhindert. Mit einer großen Rabattschlacht konnten auch erstmals seit Jahren Neukunden in größerem Umfang gewonnen werden. Aber neben dem klassischen Free-TV hat man auch zunehmend Konkurrenz aus dem Internet. Neben den IPTV Angeboten der Telekom und Alice wären hier Youtube und Maxdome zu nennen. Den ungleichen Kampf “Premium-Abo” gegen kostenlose oder “Pay-per-View” Angebote wird Sky nicht gewinnen können. Und das Internet ist aktuelle dabei, den Sprung auf den Fernseher zu vollziehen. Beinahe jedes größere aktuelle TV-Gerät ab 500 Euro hat schon einen Internet-Anschluss. Wer braucht da noch Sky?

Freuen wir uns also auf ein Jahr 2011 mit so vielen spannenden (Vor-)Entscheidungen wie schon lange nicht mehr.

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Nov 28

Der DSL-Markt ist heiß umkämpft, wie jeder unschwer erkennen kann, der abends einen der Privatsender schaut. Die großen Anbieter kämpfen nach wie vor über den Preis um die Kunden.

Der Marktanteil von DSL schrumpft indes. Zwar steigen die absoluten Anschlusszahlen noch leicht, aber immer mehr Neukunden entscheiden sich für Internet via TV-Kabel. Das wird billiger und schneller angeboten.  Und die Kunden schauen zunehmend nicht nur auf den günstigsten Preis, sondern bestellen auch die teureren, superschnellen Angebote mit 60 oder gar 100 Mbit/s.

Konkret konnte Kabel Deutschland nach eigenen Angaben seit Jahresbeginn 180.000 neue Internet-Kunden gewinnen und dürfte am Jahresende über 1,1 Millionen Internet-Kunden haben. Unitymedia steht dem kaum nach und vermeldet 150.000 Neukunden seit Jahresanfang. Auch bei Kabel-BW gibt es reichlich Zulauf – stolze 90.000 Neukunden seit Jahresanfang.

Zum Vergleich: Bei den klassischen DSL-Anietern konnten nur die Telekom (plus 340.000) , Alice/o2 (plus 30.000 in Q3, kein Wert seit Jahresanfang verfügbar) und Vodafone (plus 80.000) Zuwächse bei den DSL-Kunden verbuchen. Bei 1&1 sank die Zahl der Kunden trotz aufwendiger vertrauensbildender Maßnahmen leicht um 30.000 alleine im letzten Quartal. Bei Versatel hingegen nimmt der Kundenschwund schon bedrohliche Formen an – seit Mitte 2009 verlor man ca 80.000 Kunden und zählt nur noch 630.000 Privatkunden im Bestand.

Offenbar können die Kabelanbieter mit ihrer Kombination aus höheren Geschwindigkeiten und attraktiven Preisen bei vielen Privatkunden punkten. Zwar sind Geschwindigkeiten jenseits von VDSL 50.000 auch immer Kabel noch die Ausnahme und nicht die Regel, aber schon die eigentlich immer verfügbaren 20.000 bis 30.000 liegen deutlich über dem, was der Durchschnittskunde mit DSL bekommen kann. Den Kabelanbietern gehört die Zukunft – das ist nicht nur eine Einschätzung von Fachleuten, sondern eine Erkenntnis, die offenbar schon im Markt angekommen ist. Speziell die Wettbewerber der Telekom müssen sich dringend überlegen, wie und womit sie in 10 Jahren Geld verdienen wollen. Sonst werden die beiden Branchenverbände BREKO und VATM noch zu Clubs der Toten Telefonfirmen.

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Okt 12

Anfang 2009 vereinbarte die Telekom neben einer Kooperation mit Arcor in zwei Städten auch eine Kooperation mit der Oldenburger EWE Tel. Gegenstand dieser Vereinbarung war der gegenseitige Zugang zu den Netzen und der Ausbau der Infrastruktur in 9 norddeutschen Städten mit einer einheitlichen Technik. Während die Telekom in Bremerhaven, Wilhelmshaven, Emden und Stade VDSL bereitstellen wollte, sollte die Telekommunikationstochter des Energieversorgers EWE die Städte Leer, Vechta, Cloppenburg, Aurich und Delmenhorst ausbauen. Nun wurde das offenbar nie vertraglich fixierte Vorhaben zu Grabe getragen. Besonders überraschend sind die vom Delmenhorster Kreisblatt recherchierten Gründe:

Neben den nach wie vor unsicheren regulatorischen Vorgaben durch die Bundesnetzagentur wird von der EWE der zeitraubende Abstimmungsprozess als großes Hindernis benannt. Der dritte Grund sei die Konzentration des Regionalcarriers auf die Fläche im ländlichen Raum. Die EWE Tel hat sich in der Vergangenheit mehrfach um den Ausbau mit schnellen Verbindungen beworben und den Zuschlag erhalten. So wurde im Landkreis Oldenburg die Anbindung von 12.000 Haushalten mit Mitteln aus dem Konjunkturpaket realisiert oder z.B. in den Gemeinden Stuhr und Weyhe, die zu den Gewinnern des Wettbewerbs “Mehr Breitband fürs Land” gehören.  Angesichts dieser reichlich geförderten Projekte erscheine nun der ungeförderte Ausbau einer Stadt wie Delmenhorst unattraktiv. “. “Geschwindigkeit und Umfang des Netzausbaus in Delmenhorst müssen neu besprochen werden.” wird EWE Tel-Sprecher Christian Bartsch zitiert.

Sollten hier die Förderungen der öffentlichen Hand für ländliche Bereiche dazu führen, dass der Ausbau in anderen, weniger ländlichen Gebieten gestoppt oder verzögert wird? Die Äusserungen der EWE geben allen Grund zur Annahme, das in der Oldenburger Firmenzentrale Gedanken dieser Richtung nicht fremd sind.

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Jun 29

Logo versatelNach den Gerüchten, versatel könnte sich für die angeschlagene Primacom interessieren, kam heute abend eine kleine Überraschung aus der Konzerzentrale. Versatel verkauft die Versatel Kabel GmbH für 66 Millionen Euro an den französischen Finanzinvestor Chequers Capital. Mit dem Verkauf wurde außerdem ein Wholesale-Vertrag über die Bereitstellung der Netzebene-3-Leistungen auf Basis der vorhandenen Netzinfrastruktur vereinbart. Dieses Wholesale-Geschäft beinhaltet für die Versatel AG ein Umsatzvolumen von rund 9 Millionen Euro.

Damit unterstreicht das Unternehmen nach eigene Ansicht die Strategie der Fokussierung auf das B2B-Geschäft, um in diesem Segment den Wettbewerbsvorteil – das eigene Netz – noch intensiver zu nutzen. Mit dem Verkauf verschafft sich der Telekommunikationsanbieter die nötige Flexibilität für eine umfassende Stärkung des B2B-Geschäfts.

Anders ausgedrückt: Man braucht das Geld, um in anderen Bereichen weitere Investitionen tätigen zu können. Aktuell wird der Fokus auf B2B-Produkte sowie auf das Wholesale-Geschäft gelegt. Dabei waren auch diese Bereiche im dirkten Vergleich 2008/2009 ebenso rückläufig wie das Privatkundengeschäft.

Die Strategie der versatel AG waren in den letzten Jahren sehr wechselhaft. Plante man 2005 nach der Fusion der Versatel Deutschland mit der Tropolys-Gruppe noch den Aufstieg zur Nummer 2 im deutschen Festnetzgeschäft, so wendete sich das Blatt nach dem Börsengang und dem Absturz der Aktie. Mögliche Zukäufe wie z.B. von AOL wurden vermutlich aus finanziellen Gründen nicht realisiert. Stattdessen überraschte man 2008 mit dem Kauf zwei kleiner Netzebene-4-Kabelanbieter. Nun also wurde das Abenteuer Kabel-TV beendet und dieser Geschäftszweig wieder verkauft und so wie es aussieht, ohne größere Verluste.

Nun also die Strategie weg vom nervigen, kaum Marge bringenden Privatkunden hin zum Geschäftskunden. Doch auch dieses Terrain ist heiß umkämpft und mit Vodafone ist ein Wettbewerber im Haifischbecken, der aktuell sehr preisagressiv auftritt. Erschwerend kommt hinzu, das die Globalplayer am Geschäftskundenmarkt mit einem eigenen Mobilfunknetz aufwarten können und so sinnvolle runde Pakete anbieten können. Versatel kann hier nur eine Kooperation mit eplus aufweisen – ein Netz, dessen Ausbau insbesondere bei UMTS einfach nicht mehr zeitgemäß ist.

Und da sind wir bei den Gemeinsamkeiten von eplus und versatel: Beides sind Netzbetreiber, die zwar kleine Gewinne abwerfen, das aber auf Kosten des Wachstums und des Netzausbaus. Beide haben es versäumt, sich den Anforderungen der nächsten Jahre zu stellen und die Weichen auf weiteren Erfolg zu stellen. Man kann den Eindruck gewinnen, dass beide auf einen großen Investor warten, der bereit ist, viel Geld in die Hand zu nehmen. Nur so einer ist derzeit am deutschen Markt nicht in Sicht. Und so steht man bei Versatel vor dem Trümmerhaufen der Fehler aus den vergangenen Jahren. Durch das lange Festhalten an ISDN hat man den Aufbau eines leistungsfähigen All-IP-Netzes lange versäumt. Die Betriebskosten sind im direkten Vergleich zu den Marktbegleitern Vodafone und Alice deutlich höher. Und dazu der Nachteil, ein Regionalcarrier zu sein, während die Marktbegleiter dank All-IP bundesweit anbieten können.

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Apr 25
Ortsschild Vehrte

Vehrte, Gemeinde Belm, Landkreis Osnabrück

Endlich DSL in Vehrte!

Vehrte? Kennen Sie nicht? Ok, der Ortsteil Vehrte der Gemeinde Belm ist nicht der Nabel der Welt.  Zwar hat Vehrte einen Bahnhof, aber planmäßige Züge halten hier schon länger nicht mehr. Und da ein Großteil der Ortes auch vom DSL abgeschnitten war, ging es in Vehrte auch ganz beschaulich zu. Noch fataler im Belmer Ortsteil Icker. Denn in Icker gab es aufgrund der Kabellänge gar kein DSL. Nur im Ortsteil Belm war DSL flächendeckend verfügbar.

Seit dem 26.2.2010 wird das geändert. An diesem Tag war Spatenstich zur Aufrüstung des Ortsnetzes. Stolz nahm der Bürgermeister Wellmann mit zahlreichen Vertretern der Telekom den Spaten in die Hand. Die Gemeinde Belm sichert der Telekom eine gewisse Kundenzahl und gibt einen Zuschuss zum Ausbau, wenn die tatsächlichen Kundenzahlen unter den projektierten Zahlen liegen. Derartige Absprachen sind nicht unüblich und sorgen für eine attraktive Gemeinde.

Und die Kunden freuts. Ab Juni können sie DSL von der Telekom bekommen. Allerdings können viele Kunden seit 1.4. auch Internet über den Kabel Deutschland Anschluss bekommen. Der Kabelnetzbetreiber wurde von der Gemeinde Belm offenbar völlig übersehen. Seit Anfang 2010 im nahen Osnabrück die Exklusivrechte der Primacom ausliefen, hat der Kabelnetzbetreiber begonnen, das Osnabrücker Kabelnetz rückkanaltauglich auszubauen und für High Speed Internet und Phone vorzubereiten. Mit in die Ausbauarbeiten einbezogen wurden die Kabelnetze der umliegenden Gemeinden Belm und Hasbergen, die von Osnabrück aus versorgt wurden. Auch hier verzögerte der lange Winter die Bauarbeiten, so dass man erst zum 1.4. den Ausbau beenden konnte.

Und während die Telekom noch fleißig Glasfaser verlegt und baut, sind die ersten Kunden von Kabel Deutschland schon online. Das hat sich Bürgermeister Wellmann sicherlich anders vorgestellt – droht doch nun der DSL-Ausbau das Gemeindesäckel stärker zu belasten als gedacht.

KVZ an der Lechtinger-Straße, am Parkplatz des Landgasthauses Kortlüke

KVZ an der Lechtinger-Straße, am Parkplatz des Landgasthauses Kortlüke

Unterdessen baut die Telekom fleißig auf. Dieses Bild entstand am 22.4. an der Lechtiger Straße auf der Höhe des Parkplatzes vom Landgasthaus Kortlüke. Telefonkabel und Glasfaser kommen vom Gattberg rüber. In diesen Scränken werden in den nächsten Tagen ein neuer Kreuzverteiler sowie die Outdoor-DSLAMs installiert. Die Größe der Installation lassen die Vermutung zu, dass hier auch ein Übergabekreuzverteiler installiert sind. Der Wettbewerber Vodafone könnte z.B. diesen KVZ kostengünstig per Glasfaser von der nahen Bahnstrecke Osnabrück-Bremen erreichen.

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Dez 05

Nach einem Bericht der Wirtschaftswoche erwartet die Deutschen Telekom in den nächsten drei Jahren einen dramatischen Umsatzeinbruch im klassischen Festnetzgeschäft. Das Magazin beruft sich dabei auf eine mittelfristige Hochrechnung, die der Konzern für die Prognosen zur Verschmelzung von T-Home und T-Mobile vor der außerordentlichen Hauptversammlung am 19. November erstellte. Statt 9,3 Milliarden Euro wie im Geschäftsjahr 2007 spülen die Telefonkunden (klassische Anschlüsse und Telefonieumsatz) demnach im Jahr 2012 nur noch 3,6 Milliarden Euro in die Kasse.

Damit verliert das klassische leitungsvermittelnde Telefonnetz (PSTN) weiter an Bedeutung. Während die großen Wettbewerber einen erheblichen Teil Ihrer DSL Kunden bereits mit sogenannten ALL-IP-Anschlüssen versorgen, wird bei der Telekom Telefonie und DSL noch klassisch in zwei Netzen getrennt. Zwar legen inzwischen immer mehr Kunden speziell aus dem geschäftlichen Umfeld Wert auf diese Trennung und die damit einhergehende höhere Gesprächsqualität. Umgekehrt sind aber immer weniger Privatkunden bereit, für diesen “Luxus” einen Mehrpreis gegenüber den Wettbewerbern zu bezahlen. Die zweigleisige Technik erhöht natürlich die Betriebskosten des Netzes erheblich.  Dazu kommt noch, dass die Technik des Telefonienetzes im nächsten Jahrzehnt wieder erneuert werden müßte. Nach der großen Digitalisierungswelle der 90er Jahre findet sich in den Vermittlungsstellen immer mehr Technik, für die der Service vom Hersteller nach 15 oder 20 Jahren eingestellt wird.

Hinter vorgehaltener Hand ist immer wieder zu hören, das auch die Telekom plant, ab 2012 keine klassischen Analog- oder ISDN-Anschlüsse (PSTN) mehr zu schalten. Ein Migrationsszenario für Bestandskunden ist noch nirgends aufgetaucht. Denkbar ist aber auch, dass die nun offen liegenden wirtschaftlichen Zahlen dazu führen, dass der Weg zu ALL-IP oder NGN schneller eingeschlagen wird.

Einem Netztest der Zeitschrift Connect (Ausgabe 12/2009) zufolge haben ja mit O2 und Freenet ausgerechnet zwei Anbieter mit geringem Marktanteil die ALL-IP-Telefonie bereits gut im Griff. Die Marktführer haben hier noch Nachholbedarf.

Bei den Notrufen und Alarmanlagen besteht allerdings dringender Handlungsbedarf. Die Notrufleitung eines Fahrstuhles darf derzeit nicht in ALL-IP ausgeführt werden. Immerhin ist hier als Alternative zu PSTN noch GSM zulässig. Noch strenger die Vorgaben des VDS bei Alarmanlagen. Und nicht zu vergessen die vielen Notrufsysteme für alte, kranke und behinderte Menschen, die bislang auch nur in Ausnahmefällen über ALL-IP arbeiten.

Dazu kommen noch zigtausende von alten Kassensystemen und EC-Cashgeräten, die noch “echtes” ISDN benötigen. Natürlich gibt es für diese Geräte längst modernen Ersatz, aber viele Geschäftsleute möchten die zur Jahrtausendwende teuer neu angeschafften Geräte nicht schon wieder ersetzen, nur weil der Telefonanbieter sein Netz umbaut.

Hier besteht noch erheblicher Denk- und Handlungsbedarf, bevor ALL-IP oder gar NGN reibungslos das “alte” PSTN ablösen kann.

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Nov 06

Ein Jahr hat es gedauert. Seit Ende 2008 suchte die Telecom Italia für ihren deutsche Tochterfirma Hansenet mit ihrer Make Alice einen Käufer. Von Anfang an wurde die spanische Telefonica als heißer Kandidat gehandelt. Weitere Interessenten waren United Internet (1&1, Web.de und GMX) und Vodafone.

Seite heute Nachmittag ist die Katze aus dem Sack: Für nur 900 Millionen kauft die Telefonica die Firma Hansent. Damit hat die einjährige Käufersuche ein Ende. Und Anfang 2010 wird Telefonica die neue Marschroute ausgeben. Noch ist die Zukunft der Hansenetmarke “Alice” unklar. Als sehr wahrscheinlich gilt die Integration unter das Dach der Telefonica-Marke o2.  Denn das eigene Festnetzprodukt o2-DSL leidete bislang unter chronischem Kundenmangel.

Telefonica steigt mit dem Kauf zur Nr.4 im deutschen Festnetzmarkt auf. Als Wholeseller war man ja schon zuvor ein Schwergewicht auf dem deutschen DSL-Markt.

Gespannt dürfen wir sein, wie es weitergeht auf dem deutschen DSL-Markt. Neben Hansenet steht z.B. auch die deutsche Tele2 zum Verkauf. Und auch um die deutsche Versatel ranken sich Gerüchte, dass sich der Investor APAX zurückziehen könnte. Beide Firmen verlieren wie zuletzt auch Hansenet DSL-Kunden an ihre Mitbewerber. Bei sinkenden ARPUs eine gefährliche Entwicklung und ein klares Anzeichen für dringenden Handlungsbedarf beim Management.

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Sep 23

Kaum hat die Telekom ihre generelle Bereitschaft, mit den unterversorgten Gemeinden kooperieren zu wollen, erneuert, kommt aus der Zielgruppe die erste lobende Reaktion. Konkret verkündet der Bayerische Gemeindetag: “Darauf haben Bayerns Gemeinden lange gewartet.” (Pressemitteilung 32/2009)

Die Deals, die bei solchen Kooperationen im Regelfall rauskommen, sehen einen direkten Investitionszuschuss der Gemeinden vor und/oder eine Garantie für eine Anzahl X DSL-Kunden. Lassen sich dann weniger Kunden durch die Telekom versorgen, zahlt die Gemeinde pro fehlendem Kunden einen Ausgleichsbeitrag.

Was ein wenig nach Amigo-Machenschaften riecht, ist in vielen Fällen die einzige Chance für Gemeinden, Ihren Bürgern und Betrieben den Anschluss an das Internet zu ermöglichen. Eine fehlende Breitbandversorgung ist immer mehr ein ernster Standortnachteil – nicht nur, wenn es um die Ansiedlung neuer Betriebe geht. Und die Telekom ist nach wie vor der einzige Netzbetreiber, der hier den Netzausbau nennenswert vorantreibt. Ausgerechnet die größeren im VATM organisierten Wettbewerber halten sich bis auf Ausnahmen wie Ballstädt vornehm zurück. Die kleineren Regionalcarrier sind da deutlich aktiver bei den Infrastrukturinvestitionen.

Der Bayerische Gemeindetag schreibt von ca 500 Gemeinden allein in Bayern, die eine Kooperation bezüglich des Netzausbaus mit der Telekom anstreben. Bundesweit dürften sehr viel mehr Gemeinden weiße Flecken auf der Breitbandkarte Deutschlands haben. Wenn da nun, rein zufällig eine Woche vor der Bundestagswahl, etwas Bewegung in die Behebung der Misere kommt, ist das auf jedem Fall begrüßenswert.

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