Feb 11

Vor wenigen Tagen entschied Indiens Telekom-Aufsicht, die Pläne von Facebook zu einem kostenlosen „Free Basics“ Internet nicht zu erlauben. Dahinter verbirgt sich ein Internet Lite, das im Wesentlichen aus Facebook und einigen wenigen anderen Diensten bestehen würde. weiterlesen »

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Feb 15

Fast ein Dreiviertel Jahr nach den ersten Enthüllungen von Edward Snowden kommen noch immer neue Details an das Tageslicht, aber richtig schocken kann uns kaum noch was. Und es sind ja auch nicht immer nur die Geheimdienste, die uns auspionieren. 30 Jahre nach 1984 haben wir zwar keinen „großen Bruder“, aber die über uns gesammelte Datenfülle ist beängstigend hoch und alle Daten, die es irgendwo gibt, wecken Begehrlichkeiten. Grund genug, mal eine kleine und alles andere als vollständige Bestandsaufnahme zu machen.

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Jan 01

Wieder ist ein Jahr vorbei. Grund genug, kurz innezuhalten. Was war, was wir kommen?

Natürlich kann man nicht alle Ereignisse und Trends erahnen. Das ist auch besser so. Wer konnte sich auch nur im Traum eine Katastrophe wie in Japan vorstellen? Ein schweres Erdbeben, ein gigantischer Tsunami und die Kernschmelze in drei Reaktoren des Atomkraftwerks in Fukushima. Seit dem ist der Atom-Ausstieg Konsens und die Strompreise steigen wegen der Mehrkosten für regenerativ erzeugten Strom auch in den nächsten Jahren weiter an. Man braucht daher keine Kristallkugel, um zu erkennen, dass „Green IT“ oder wenigstens besonders sparsame IT auch 2012 ein Hauptthema sein wird. Selbst wenn man den Umweltaspekt außen vor läßt, bei den zu erwartenden Strompreisen lohnt der Invest in sparsamere Technik allemal.

Bei den Mobilfunkherstellern wird es spannend. Schafft der einstige Branchenprimus Nokia mit dem Fokus auf Windows Phone die Wende?  Viele Experten halten die Festlegung auf Windows Phone und die enge Bindung an Microsoft für einen schweren Fehler, der Nokia die Existenz kosten könnte. Außerdem bleiben die zahlreichen Patent- und Geschmacksmusterklagen, die man als Apple gegen den Rest der Mobile-Welt zusammenfassen könnte. Die Kunden haben längst entschieden und greifen immer mehr zu Android statt Apples IOS. Aber Apple wird mit einem guten zweiter Platz sicherlich auch leben können. Für RIMs Blackberry wird sicherlich auch in Zukunft die Business-Nische bleiben. Und für Windows Phone? Da ist es fraglich, ob für Microsoft noch Platz am Markt ist. Aktuell ist der Markanteil von Windows Phone geringer als der von Samsungs eigenem System BADA. Beide liegen abgeschlagen unter 2%.

Kommen wir zum Datenschutz. Im Jahr 2011 hatten wir diverse Skandale, die es bin in die Abendnachrichten der großen TV-Sender geschafft haben.  Da wurden Sony Millionen Datensätze aus mehreren Netzwerken gestohlen. Rewe wurden die Kundendaten einer Bildertauschbörse entwendet. Und erst vor wenigen Tagen wurden der US-Sicherheitsfirma Strafor Kreditkarten gestohlen. Dagegen ist die Erkenntnis, das facebook gelöschte Daten doch nicht löscht, fast schon harmlos. Ein Student aus Österreich hatte eine Datenauskunft angefordert und nach längerem Tauziehen bekommen. Ausgedruckt wären es mehr als 1500 Seiten Papier gewesen, was facebook nur über diese eine Person alles gespeichert hat.

2012 muss das Jahr des Datenschutzes werden. Datenschutz hinsichtlich der Selbstbestimmung der Bürger, was mit ihren Daten passiert und wer eigentlich wieviel speichern darf. Der Blogger hat im vergangenen Jahr bei einigen SPAM-Mails mal eine Datenauskunft eingefordert und war sehr irritiert, zu welchen Nachtzeiten er an Gewinnspielen teilgenommen haben soll und diese sogar per Opt-IN betätigt habe. Besonders irritierte ihn die Tatsache, mit welchen Providern er das gemacht haben soll. Und dass am Ende immer wieder die gleichen Firmen diese Gewinnspiele technisch abgewickelt haben, macht die Sache nicht glaubwürdiger, sondern zu einem Fall für die Staatsanwaltschaft.

2012 muss das Jahr der Datensicherheit werden. Wenn ein Kunde einem renomierten Unternehmen wie z.B. Sony seine Kreditkartendaten anvertraut, um Spiele und andere Dienste zu bezahlen, dann muss er sicher sein dürfen, dass seine Daten gut geschützt sind. Bei Sony wird man dies sicherlich mit allen Kräften sicherstellen, aber wie sieht bei anderen Firmen aus? Auf zahlreichen Webseiten klaffen Sicherheitslücken. Es gibt Hunderte von Untergrundforen, in denen Exploits zu Software, die auf vielen Servern läuft, gehandelt oder offen gepostet werden. Bekannte Sicherheitslücken bei Standardpaketen wie joomla, typo3 oder WordPress werden oft nur wenige Stunden nach Bekanntwerden in großem Umfang genutzt. Nicht mit Dummenjungenstreichen, wie es z.B.  einmal dem FC Schalke 04 vor dem Revierderby passierte, sondern meist von Kriminellen, die diese Server hacken, um damit SPAM zu versenden, Phishing Attacken zu starten oder Besuchern Trojaner unterzuschieben. Da sind längst keine Einzelkämpfer mehr am Werk, die man leicht an der bleichen Haut erkennt, weil sie nie das Tageslicht sehen. Es sind gut organisierte Banden am Werk, die mit modernen Methoden und arbeitsteilig arbeiten und daher kaum zu fassen sind. Wenn diese Entwicklung nicht gestoppt werden kann, dann werden Cyberkriminelle bald mehr Geld machen als Drogenkartelle oder Waffenschieber.

Wie man sich schützen kann? 100% sicherlich nie, aber halten Sie ihre Software und natürlich ihren Virenscanner immer aktuell. Seien Sie sparsam mit dem „Verteilen“ von persönlichen Daten und ganz besonders bei Konto- oder Kreditkartennummern. Verwenden Sie Antivirensoftware, die auch die Mails und den Webdatenverkehr mit überwacht. Das kostet zwar Performance, bietet aber mehr Schutz, z.B. vor dreisten Erpressungstrojanern wie dem UKash/BKA-Trojaner.

Was sonst noch 2012 passieren wird? Der HSV wird wieder nicht Deutscher Meister, sondern die Bayern machen es wieder mal. Und im Sommer wird ein neuer Europameister ausgespielt und Deutschland hat gute Chancen auf das Endspiel. Und die Bundesnetzagentur will neue Verordnungen auf den Weg bringen und dafür sorgen, dass Kunden bei Rufnummernportierung wirklich nur wenige Stunden ohne Anschluss sind.

In diesem Sinne: Frohes neues Jahr!

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Aug 19
Blauer Daumen

Gefällt mir Button

Jeder kennt ihn, den blauen „Gefällt mir“ Daumen von facebook. Sogar Leute, die facebook gar nicht kennen und das Internet nicht nutzen, haben den Daumen schon gesehen.

Und schon oft gab es von Verbraucherschützern und Politikern Kritik am Datenschutz von facebook. Geändert hat sich seitdem wenig, das US-Unternehmen reagiert gar oder ausweichend. Nun aber droht deutschen Webseitenbetreibern und facebook richtig Ärger. Und zwar vom ULD (Unabhängiges Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein).

Das ULD hat eine sehr umfassende Analyse „facebook-Reichweitenanalyse“ vorgenommen. Kaum jemand dürfte vorher wirklich gewußt haben, wie facebook das Webverhalten seine Nutzer und zufälligen Besucher kontrolliert und aufzeichnet. Dabei ist mit solchen Daten sehr viel Geld zu verdienen und wenn man sich die Geschäftsberichte ansieht, dann verdient facebook auch sehr viel Geld. Kernstück dieses umfassenden Trackings sind die Scripte, die hinter jedem auf einer Webseite eingebundenen „Gefällt mir“ Button stecken und die bereits vor dem Anklicken des Buttons ausgeführt wurden.  Wie das genau funktioniert, kann man sehr detailliert in einer Analyse des ULD auf 25 Seiten nachlesen. In der Pressemitteilung des ULD wird dessen Leiter Thilo Weichert mit der Aussage „Mit Hilfe dieser Daten hat Facebook inzwischen weltweit einen geschätzten Marktwert von über 50 Mrd. Dollar erreicht.“ zitiert.

Aus der Analyse des ULD geht hervor, dass dieses Tracking von facebook in keinster mit dem deutschen Datenschutzgesetz vereinbaren läßt. Die ULD fordert nun alle Webseitenbetreiber auf, die  „Gefällt mir“ Buttons bis zum 30.9.2011 zu entfernen. Webseitenbetreibern aus Schleswig Holstein, die dieser Aufforderung nicht nachkommen, droht danach Post vom ULD. Nach einer Anhörung und einem Verfahren drohen Bußgelder von bis zu 50.000 Euro.

Die Forderungen des ULD gehen sogar noch weiter, heißt in der Presseerklärung doch gleich am Anfang „Das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz (ULD) fordert alle Stellen in Schleswig-Holstein auf, ihre Fanpages bei Facebook und Social-Plugins wie den „Gefällt mir“-Button auf ihren Webseiten zu entfernen.“ Demnach wünscht man sich auch den Rückzug der Fanpages von facebook. Das ist allerdings eine Forderung, die kaum durchsetzbar ist. Allerdings stellt sich die Frage, wie viel Sinn die Fanpage bei facebook noch hat, wenn man die eigene Seite nicht mehr mit facebook verlinkt.

Webseitenbetreiber aus anderen Bundesländern sollten sich nicht zu früh freuen, denn die Datenschutzbeauftragten der anderen Länder werden nachziehen, wenn facebook nach diesem Vorstoß aus Schleswig Holstein den Umgang mit europäischen Internetnutzern nicht ändert. Und das ist nicht zu erwarten. Weiter besteht die Gefahr von Abmahnungen, denn das Einbinden des facebook-Button könnte man nun als unzulässige Vorteilnahme im Sinne des unlauteren Wettbewerbs ansehen.

Kurze Schlußbemerkung in eigener Sache: TelkoTalk hat nie einen facebook-Button gehabt und wird ihn auch nicht bekommen. Ebenso wird bewußt auf Dienste wie z.B. Google Analytics verzichtet. Die „Bauchschmerzen“ der Datenschützer waren dem Blogger schon länger bekannt.

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Apr 02

Alljährlich verleiht der FoeBuD e.V. in Bielefeld die Big Brother Awards – die Negativpreise für Datenkraken. Am gestrigen Abend des 1. April war es wieder soweit und auch diesmal gab es namhafte Preisträger.

In der Kategorie Kommunikation gab es gleich zwei Preisträger und beide sind gute Bekannte. Der erste Preis ging an die Facebook Deutschland GmbH, der die Preisverleiher unterstellen, mit systematischen Datenschutzverstößen Milliarden zu verdienen. Facebook war auch bei einem Drittel der Besucher der Veranstaltung der Favorit. Der zweite Preis in dieser Kategorie ging Apple, was auch nicht besonders überrascht. Apples Telefone sind ja bekanntlich teure Statusobjekte und wer die Geräte zu mehr als zum Telefonieren nutzen wolle, werde nach Ansicht der Preisverleiher erpresst, zweifelhaften Datenschutzbestimmungen zuzustimmen. Ob überhaupt jemand die auf dem Telefon-Display immerhin 117 Seiten lange Abhandlung liest, darf doch bezweifelt werden.

In der Kategorie Politik fand der Preis mit Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann einen würdigen Preisträger. Herr Schünemann, der schon in der Vergangenheit mit haarsträubenden Vorschlägen wie etwa dem Einsatz einer filternden Zugangssoftware für Kunden niedersächsicher Provider auf sich aufmerksam macht, hat sich den Preis mit dem ersten Einsatz einer Überwachungsdrohne „verdient“. Während der Proteste anläßlich der Castor-Transporte im November 2010 soll insgesamt viermal eine Überwachungsdrohne zum Einsatz gekommen sein. Anders als auf öffentlichen Plätzen, wo eine Videoüberwachung offen stattfindet und auch ausgeschildert sein muss, geschieht der Drohneneinsatz unangekündigt und oft von den Überwachten auch unbemerkt.

Etwas überraschend ging der Preis in Kategorie Technik an die Modemarke Peutery für den Einsatz von RFID-Etiketten. Die Etiketten an der Kleidung sind mit dem Hinweis „Don´t remove this Label“ (Etikett nicht entfernen) gekennzeichnet und können auch nach dem Kauf jahrelang berühlungslos und vom Träger unbemerkt ausgelesen werden.

Natürlich wurde auch der bevorstehende Zensus 2011 mit einem Award bedacht. Die weiteren Awards gingen in der Kategorie Arbeitswelt an den deutschen Zoll und die Daimler AG. Last but not least ergatterte noch der Verlag für Wissen und Information aus Starnberg den Preis in der Kategorie Verbraucherschutz. Der Verlag läßt Schulen in seinem Namen Büchergutscheine verteilen, für die man als Gegenleistung Adressdaten der Empfänger abgreift. Die Einbindung der Schulen in den wirtschaftlichen Adresshandel wird als mißbräuchlich betrachtet.

Die Details zu den Preisträgern können auf der Webseite des FoeBuD e.V. nachgelesen werden.

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