Aug 29

Die Patentschlacht zwischen Apple und Samsung trieb in den letzten Jahren seltsame Blüten und fand am vergangenen Sonntag einen vorläufigen Höhepunkt. Eine Jury entschied gegen Samsung. Nicht überraschend, fand das Verfahren doch nur wenige Kilometer von der Apple-Zentrle entfernt statt.  Wie würden wohl deutsche Laien in Stuttgart entscheiden, wenn ein koreanischer Autobauer gegen Porsche oder Merzedes prozessieren würde?

Wer nun juristisch wie weit Recht hat, soll hier nicht interessieren. Sicherlich sahen einige Geräte von Samsung denen von Apple etwas sehr ähnlich. Umso mehr muss es die Apple Chefs in Cupertino ärgern, dass ausgerechnet der aktuelle Bestseller von Samsung, das Galaxy S3, gar keinem Apple-Produkt ähnelt. Es hat ein recht eigenständiges Design und das kommt bei den Kunden so gut an wie kein Smartphone von Samsung jemals zuvor. Und warum? Weil es technisch besser ist, ein größeres Display hat, Android statt IOS und weil es nicht von Apple ist.

Apple hat im „Atomkrieg“, wie ihn Steve Jobs seinerzeit Google androhte, ein wichtiges Detail übersehen. Das Internet. Vor 10 Jahren hätten juristische Feldzüge auf dem halben Globus kaum jemanden interessiert, hätten neben kurzen Meldungen in der Wirtschaftspresse hauptsächlich in juristischen Portalen Interesse gefunden. Aufgrund des Hypes um Apple wurde aber beinahe jeden Tag auf zahlreichen Newsportalen ausführlich berichtet und diskutiert. Und das hat Folgen und die Schäden sind für Apple weitaus schlimmer als für Samsung. Weil viele User die zahlreichen Urteile gegen Samsung nicht nachvollziehen können, ist Apple in ihren Augen der Bösewicht, der Goliath, der den armen David gerade vermöbelt. Samsung kann dagegen außerhalb der USA einen enormen Sympathiegewinn verbuchen.

In den zahlreichen Verfahren schwingt nämlich noch eine Botschaft mit, die für Apple fatal ist: Wir (Apple) brauchen die juristische Hilfe in Form von Verkaufsverboten, weil wir sonst unsere Produkte nicht verkauft bekommen.

Der Name Apple ist seit Jahrzehnten bekannt. Apple Corps hieß die Firma, die von den Beatles 1968 gegründet wurde und deren Geschäftszweig Apple Records war sicherlich in den 70ern eines der bekanntesten Musik-Labels weltweit. Und als 1976 in Cupertino die Firma Apple Inc. gegründet wurde und man den Namen auswählte, um noch vor Atari im Telefonbuch zu stehen, da wird man möglicherweise beim Namen Apple nicht nur an das Obst, sondern auch an die Beatles gedacht haben. Zahlreiche Prozesse zwischen beiden Firmen folgten später.

Von der Gründung an ließ man sich bei Apple von den Ideen Anderer „inspirieren“, verbesserte sie und machte daraus oft erfolgreiche Produkte. Eigentlich gar nicht so unüblich. Nur wehe, jemand läßt sich von Apple „inspirieren“ – das ist dann böses Abkupfern und gehört gerichtlich verboten. Dank einer tüchtigen Patentabteilung läßt man sich in Cupterino vieles per Patent und Geschmacksmuster schützen und da sind evtl. auch mal Sachen dabei, bei denen man sich selbst hat „inspirieren“ lassen oder die eigentlich schon selbstverständlich sind. In den USA werden Patente anders als in Europa nicht besonders streng geprüft.

Das Vorgehen von Apple mag in den USA nach Recht und Gesetz in Ordnung sein, es hat aber in den Augen vieler Leute ein Geschmäckle und das kommt bei immer mehr  Kunden nicht gut an. War ein Apple II seinerzeit so erfolgreich, weil er ein offenes System war und man ihn herrlich mit Fremdhardware aufmotzen konnte/mußte, so hat sich das seit Einführung des Macintosh immer mehr geändert. Aktuelle Geräte sind ohne sehr spezielles Werkzeug nicht zu öffnen und selbst Verschleißartikel wie Akkus sind in aktuellen Notebooks fest verlötet und verklebt. Apple entscheidet, wer den Apple Kunden seine Software im App-Store verkaufen oder verschenken darf und wirft unliebsame Apps wie z.B. Clueful von Antiviren-Spezialisten Bitdefender einfach raus. Die Clueful App hat dem Iphone Besitzer gezeigt, welche seiner installierten Apps persönliche Daten von ihm verwendet und evtl. an andere Server weiterleitet.

Das Prinzips Apple, zu den eigenen Geräten geschlossene Ökosysteme wie itunes, App Store usw. zu schaffen, hat in den letzten Jahren bestens funktioniert, die Firma ist auf dem Höhepunkt des Erfolgs. Andererseits überrollt Android den Smartphone-Markt mit einer solchen Wucht, das man sich in Cupertino schon fragt, warum das so ist. Sicherlich nicht, weil es einige optische Ähnlichkeiten geben mag oder bei der einen oder anderen App eine Geste „geklaut“ wurde. Es gibt zwei wesentliche Gründe und beide müssen Apple Angst machen:

  1. Die Leute vertrauen Google mehr als Apple. Die Kunden wollen Android, weil es von Google ist. Das geht aus einer Apple internen Studie hervor, die im Rahmen eines Prozesses offengelegt wurde.
  2. Die Kunden wollen Vielfalt und Freiheit. Beinahe jedes Android Gerät kann so konfiguriert werden, dass Apps aus anderen Quellen als Google Play installiert werden können. Freaks können ihre Geräte gefahrlos rooten und sogar Android modifizieren. Die „hackbare“ Firmware ist ein Prinzip, das z.B. Panasonics Kamera GH2 trotz eines recht hohen Preises zu einem ungeahnten Erfolg verhalf.

So kommt es, das Apple Inc. immer mehr polarisiert. Die Jünger würden selbst Besen mit Apfellogo kaufen, während die Anderen Produkte mit angebissenem Apfel nicht einmal geschenkt nutzen würden. Kunden wollen nicht nur das das beste Produkt – sie wollen auch ein gutes Gefühl kaufen. Apple sollte die Millionen, die sie den Anwälten in den Rachen werfen, besser in die Entwicklung und Kooperation stecken. Google und Facebookt dominieren im Moment das mobile Internet und wer bei seinem nächsten Smartphone die bei den Kunden beliebten Google-Dienste rauswirft, braucht sich nicht wundern wenn die Kunden dann das Produkt „rauswerfen“ bzw. nicht kaufen. Da hilft auch keine Jury und kein Gericht.

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Feb 04

Endlich hats auch Apple erwischt. Wenn auch vorerst nur einige Stunden. Aber der Reihe nach:

Nachdem Apple in der Vergangenheit einige für Nichtjuristen kaum nachvollziehbare Vertriebsverbote für das Samsung Galaxy Tab erringen konnte, hat sich in der vergangenen Woche das Blatt gewendet. Motorola konnte vor dem Landgericht München wegen Verletzung von Mobilfunkpatenten ein Vertriebsverbot für alle ipads mit 3G Modul und die älteren iphones 3G, 3GS und 4 erwirken. Das Vertriebsverbot galt nur für den Apple Onlineshop und nicht für das neue iphone 4S, weil das zum Zeitpunkt der Klage noch nicht auf dem Markt war. Apple hatte jedoch bereits gestern nachmittag mitgeteilt, dass der Vollzug dieses Urteils vom OLG Karlsruhe ausgesetzt worden sei. Seit werden die vom Vertriebsverbot betroffenen Geräte seit heute auch wieder online angeboten.

Zuvor hatte Apple vor dem Landgericht München bereits beim Versuch, auch für Samsungs neues Galxy Tab 10.1N ein Vertriebsverbot u erwirken, eine schallende Niederlage kassiert. Die Richter lehnten ein solches Verbot aufgrund der Verletzung eines Patentes nicht nur ab, sondern wurden in den Medien auch mit der Aussage zitiert, das „dass sich eine derartige Technik bereits vor Einreichen des Patens auf dem Markt befand. Deshalb könne das Patent für ungültig erklärt werden“. (Quelle: onlinekosten.de Newsmeldung „Apple vs. Samsung: Galaxy Tab 10.1N darf bleiben„)

Auf  den nach wie vor schwelenden Streit um die Verletzung eines Geschmacksmusters von Apple in Düsseldorf hat dieses Urteil zwar direkt keine Wirkung, aber auch dort argumentiert Samsung ja damit, dass es ähnliche Designs weitaus früher gegeben habe, u.a. in Sciencefiction Filmen aus den 80er Jahren.

Im Streit zwischen Motorola und Apple geht es dagegen um UMTS-Patente, deren Berechtigung unbestritten ist. Da diese Patente allerdings zum UMTS-Standard gehören, ist Motorola verpflichtet, diese zu „fairen Bedingungen“ zu lizensieren und genau darum geht es. Dem Konzern, der nach Analystenberechnungen mehr als 100 Dollar pro iphone verdienen soll, war bislang der von Motorola geforderte Preis zu hoch und man hat die Patente einfach ohne zu zahlen genutzt. Diese Praktik ist definitiv nicht zur Nachahmung, z.B. an der Tankstelle oder im Apple Store, empfohlen, auch wenn man den Eindruck hat, dass der geforderte Preis unfair und zu hoch sei.

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Dez 31

Kurz nach Weihnachten meldeten sowohl Apple als auch Google Rekordzahlen an neu aktivierten iphone bzw. Android-Smartphones oder Tablet-PC mit IOS oder Android. Insgesamt 7,5 Millionen Geräte sind Heiligabend und am 1. Weihnachtstag aktiviert worden. Der Anteil der Android-Geräte fiel etwas höher als der Geräte mit IOS, aber dieser Trend ist ja nicht neu. Schließlich melden alle Marktanalysten seit einiger Zeit eine Marktführerschaft für Android.

Nun meldet jedoch crn unter Berufung auf Kantar Worldpanel ComTech, dass der Trend hier in Europa keineswegs einheitlich ist. In Deutschland und in Frankreich habe Apple inzwischen Absatzprobleme. Demnach sei der Marktanteil in Q4 in Deutschland von 27 auf 22% gefallen, in Frankreich auf 20%. In Großbritannien konnte Apple dagegen mit dem iphone 4s punkten und den Marktanteil von 21 auf 31% erhöhen. Mehr als 60% aller in Deutschland verkauften Smartphones ist ein Android-Gerät. Besonders beliebt war Samsungs Galaxy S2.

Die Analysten glauben, dass die zahlreichen preiswerteren Geräte und die Herstellervielfalt der Grund für den Erfolg von Android und den Mißerfolg von Apple seien. Aber diese Vielfalt gibt es in anderen Ländern Europas auch, kann also nicht der alleinige Grund für die Entwicklung sein.

Ich glaube eher, dass sich das Image von Apple gewandelt hat. Eine Erfahrung, die auch Nokia schmerzlich mache mußte, als in Bochum das Nokiawerk geschlossen wurde und die Belegschaft vor laufenden Kameras vergeblich um ihre Arbeitsplätze kämpfte. Damals brach der Absatz von Nokia-Telefonen in Deutschland dramatisch ein. Bei Apple ist es der Patent- und Geschmacksmusterkrieg, der das Unternehmen in ein schiefes Licht rückt. Besonders unverständlich das von Apple erwirkte Verkaufsverbot des Samsung Galaxy Tab 10.1 aufgrund einer Geschmacksmusteranmeldung, bei der sich jeder Nichtjurist fragt, wieso man so etwas anmelden konnte und Richter solche Urteile fällen. Samsung hat es gut verstanden, sich hier in der Opferrolle zu präsentieren. Die Hinweise auf ähnlich gestaltete Geräte in Sciencefiction-Filmen der 80er Jahre des letzten Jahrtausends haben zwar die Richter nicht überzeugt, aber viele User der Netzgemeinde schon. Und da dieser Rechtsstreit vor deutschen Gerichten es mehrfach in die deutschen TV-Nachrichten der Primetime schaffte, waren die juristischen Siege von Apple gleichzeitig fette Imageunfälle. Durch die Berichterstattung haben auch weniger Interessierte erfahren, dass es Geräte gibt, gegen die Apple nichts mehr tun kann als vor Gericht zu ziehen. Quasie verboten gute Geräte. Logisch, dass die dann jeder haben will.

Ein weiterer Aspekt ist die wichtigste Neuerung des iphone 4s, der Sprachassistent SIRI. SIRI soll wahre Wunder vollbringen, aber so richtig rund läuft er nur in englisch. In Deutschland und Frankreich sprechen die Kunden aber kein Englisch und die Sprachanpassung wurde nicht zu 100% vorgenommen, s0 dass der Funktonsumfang kleiner ist und viele Deutsche und Franzosen daher kein Interesse an SIRI haben.

Sollte Googles Majel gleich in allen wichtigen Sprachen funktionieren, dann wird es noch schwerer für Apple. Inbesondere auch, weil Samsung das neue Galaxy S3 im Aril 2012 vorstellen will, also vermutlich vor der Premiere eines neuen iphone5, aber genau in dem Zeitfenster, in dem die Verträge vieler iphone4-Kunden der ersten Monate verlängerbar sind. Ein klug gewählter Zeitpunkt. Tschüss iphone…

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