Mai 23

In dieser Woche endete die Versteigerung von Frequenzen der Bundesnetzagentur für die 4. Mobilfunkgeneration, besser bekannt unter dem Namen LTE. Das Ergebnis überraschte eigentlich niemanden: Im reichweitenstarken 800MHz Band (digitale Dividende) gab E-Plus auf. Das 800MHz-Band ist der Freuenzbereich, mit dem man hofft, die zahlreichen weißen Flecken auf der Landkarte der Breitbandversorgung endlich tilgen zu können. Aus diesem Geschäft hat sich nun E-Plus zurückgezogen.

Schon beim UMTS-Standard hält sich E-Plus vornehm zurück und erfüllt gerade so die Auflagen der 3G-Lizenz. Dort wo man versorgt, stehen den Kunden lediglich 384KBit/s zur Verfügung. Die Datenturbos HSDPA und HSUPA werden nur einer Handvoll Städte angeboten.

Bei LTE ist E-Plus bei den Frequenzen hoher Reichweite eben nicht dabei. Die neue Strategier lautet also „Mut zur Lücke“. Man wird die Versorgung in den Städten zum Discounterpreis anbieten müssen, um sich vom Wettbewerb absetzen zu können. Doch an der Preisschraube hatte zuletzt schon O2 kräftig gedreht. Discountpreise bei einer Versorgung, die der Versorgung der beiden Big Player des deutschen Marktes nur unwesentlich nachsteht. Da bleibt für E-Plus wenig Platz. Schon in der Vergangenheit wurde das Netz zunehmend durch eigene und fremde Discountmarken wie Aldi-Talk, blau.de, Klarmobil oder Simyo ausgelastet. Und mit denen kann man nur Geld verdienen, wenn man wenig Geld in den Netzausbau investiert. So wie in den letzten beiden Jahren bei E-Plus geschehen. Aber das wird nicht mehr lange gut gehen. KPN wird sich in den nächsten 2 Jahren entscheiden müssen, ob sie E-Plus aufgeben (Insolvenz oder Verkauf zum Ramschpreis) oder sehr viel Geld für den Netz-Ausbau in die Hand nehmen wollen. Und selbst dann wäre E-Plus immer noch nur ein Stadtfunker…

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Apr 25
Ortsschild Vehrte

Vehrte, Gemeinde Belm, Landkreis Osnabrück

Endlich DSL in Vehrte!

Vehrte? Kennen Sie nicht? Ok, der Ortsteil Vehrte der Gemeinde Belm ist nicht der Nabel der Welt.  Zwar hat Vehrte einen Bahnhof, aber planmäßige Züge halten hier schon länger nicht mehr. Und da ein Großteil der Ortes auch vom DSL abgeschnitten war, ging es in Vehrte auch ganz beschaulich zu. Noch fataler im Belmer Ortsteil Icker. Denn in Icker gab es aufgrund der Kabellänge gar kein DSL. Nur im Ortsteil Belm war DSL flächendeckend verfügbar.

Seit dem 26.2.2010 wird das geändert. An diesem Tag war Spatenstich zur Aufrüstung des Ortsnetzes. Stolz nahm der Bürgermeister Wellmann mit zahlreichen Vertretern der Telekom den Spaten in die Hand. Die Gemeinde Belm sichert der Telekom eine gewisse Kundenzahl und gibt einen Zuschuss zum Ausbau, wenn die tatsächlichen Kundenzahlen unter den projektierten Zahlen liegen. Derartige Absprachen sind nicht unüblich und sorgen für eine attraktive Gemeinde.

Und die Kunden freuts. Ab Juni können sie DSL von der Telekom bekommen. Allerdings können viele Kunden seit 1.4. auch Internet über den Kabel Deutschland Anschluss bekommen. Der Kabelnetzbetreiber wurde von der Gemeinde Belm offenbar völlig übersehen. Seit Anfang 2010 im nahen Osnabrück die Exklusivrechte der Primacom ausliefen, hat der Kabelnetzbetreiber begonnen, das Osnabrücker Kabelnetz rückkanaltauglich auszubauen und für High Speed Internet und Phone vorzubereiten. Mit in die Ausbauarbeiten einbezogen wurden die Kabelnetze der umliegenden Gemeinden Belm und Hasbergen, die von Osnabrück aus versorgt wurden. Auch hier verzögerte der lange Winter die Bauarbeiten, so dass man erst zum 1.4. den Ausbau beenden konnte.

Und während die Telekom noch fleißig Glasfaser verlegt und baut, sind die ersten Kunden von Kabel Deutschland schon online. Das hat sich Bürgermeister Wellmann sicherlich anders vorgestellt – droht doch nun der DSL-Ausbau das Gemeindesäckel stärker zu belasten als gedacht.

KVZ an der Lechtinger-Straße, am Parkplatz des Landgasthauses Kortlüke

KVZ an der Lechtinger-Straße, am Parkplatz des Landgasthauses Kortlüke

Unterdessen baut die Telekom fleißig auf. Dieses Bild entstand am 22.4. an der Lechtiger Straße auf der Höhe des Parkplatzes vom Landgasthaus Kortlüke. Telefonkabel und Glasfaser kommen vom Gattberg rüber. In diesen Scränken werden in den nächsten Tagen ein neuer Kreuzverteiler sowie die Outdoor-DSLAMs installiert. Die Größe der Installation lassen die Vermutung zu, dass hier auch ein Übergabekreuzverteiler installiert sind. Der Wettbewerber Vodafone könnte z.B. diesen KVZ kostengünstig per Glasfaser von der nahen Bahnstrecke Osnabrück-Bremen erreichen.

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Okt 14

Fast 10 Jahre nach der Versteigerung der UMTS-Frequenzen im August 2000 plant die Bundesnetzagentur für das 2. Quartal 2010 die bislang größte Versteigerung von Mobilfunkfrequenzen. Versteigert werden sollen unter anderem Frequenzen der sogenannten „digitalen Dividende“.

Die Versteigerung im Jahre 2000 brachte dem Bund unerwartete Rekordeinnehmen von mehr als 100 Milliarden DM. Den beteiligten Unternehmen hingegen brachte es in erster Linie hohe Schulden und so blieben zwei Bieter am Ende auf der Strecke und bauten kein UTMS-Netz auf.

Ab 21. Oktober können sich potentielle Bieter bewerben. Und wir Zaungäste können uns schon mal auf den nächsten Frequenzpoker freuen. Hoffentlich wird es spannend und unterhaltsam, denn die Zeche zahlen garantiert wir als Verbraucher und Steuerzahler.

Noch nicht ganz klar ist es, was mit den neuen Frequenzen alles erlaubt sein wird. Die Frequenzen im Bereich um 8000 MHz haben eine recht hohe Reichweite und gelten als der Schlüssel zur drahtlosen Breitbandversorgung in Orten, die bislang als Weiße Flecken auf der DSL-Landkarte liegen. Zum Einsatz könnte hier der neue Standard LTE kommen. Denn das bislang in Deutschland genutzte UMTS funkt auf 2,1GHz und hat eine recht geringe Reichweite. LTE wird bereits im Testbetrieb genutzt, allerdings fehlt noch eine Standardisierung der Telefonie (Sprachübertragung) in diesem Standard.

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Sep 23

Kaum meldet die Telekom, bezüglich der Breitbandversorgung nun verstärkt die Kooperation mit den Gemeinden suchen zu wollen (Siehe Weiße Flecken, 1.), da meldet sich auch Eutelsat wieder zu Wort. Eutelsat bietet über seinen Dienst Tooway flächendeckende Breitbanddienste an, die in Deutschland z.B. von den Vertriebspartnern SkyDSL und satspeed vertrieben werden. Laut einer Meldung des Portals Onlinekosten.de will Eutelsat noch im Jahr 2010 einen Satelliten ins All befördern, mit dem eine Bandbreite von 10MBit/s für bis zu 2 Millionen Teilnehmer realisierbar sei. Damit will man eine echte Alternative zur kabelgestützten Breitbandversorgung bieten.

Der bisherige Geschwindigkeitsrekord beim Satelliten-DSL wird von Astras Plattform Astra2Connect mit 4MBit/s gehalten. Die Ankündigung buchbarer 4MBit/s Produkte wird für Anfang Oktober erwartet. Astra2Connect wird in Deutschland u.a. von der Telekom und von StarDSL vertrieben.

Nachteil aller bisherigen Sat-DSL Lösungen sind die recht hohe Latenz von ca 600 bis 800 ms sowie meist nicht transparente Fair-Use-Regelungen, die eine Bandbreitenbeschränkungen bei Überschreiten gewisser Grenzwerte vorsehen. Gerade solche Regelungen machen diese Produkte derzeit für den professionellen Einsatz im geschäftlichen Umfeld unattraktiv.

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Sep 23

Kaum hat die Telekom ihre generelle Bereitschaft, mit den unterversorgten Gemeinden kooperieren zu wollen, erneuert, kommt aus der Zielgruppe die erste lobende Reaktion. Konkret verkündet der Bayerische Gemeindetag: „Darauf haben Bayerns Gemeinden lange gewartet.“ (Pressemitteilung 32/2009)

Die Deals, die bei solchen Kooperationen im Regelfall rauskommen, sehen einen direkten Investitionszuschuss der Gemeinden vor und/oder eine Garantie für eine Anzahl X DSL-Kunden. Lassen sich dann weniger Kunden durch die Telekom versorgen, zahlt die Gemeinde pro fehlendem Kunden einen Ausgleichsbeitrag.

Was ein wenig nach Amigo-Machenschaften riecht, ist in vielen Fällen die einzige Chance für Gemeinden, Ihren Bürgern und Betrieben den Anschluss an das Internet zu ermöglichen. Eine fehlende Breitbandversorgung ist immer mehr ein ernster Standortnachteil – nicht nur, wenn es um die Ansiedlung neuer Betriebe geht. Und die Telekom ist nach wie vor der einzige Netzbetreiber, der hier den Netzausbau nennenswert vorantreibt. Ausgerechnet die größeren im VATM organisierten Wettbewerber halten sich bis auf Ausnahmen wie Ballstädt vornehm zurück. Die kleineren Regionalcarrier sind da deutlich aktiver bei den Infrastrukturinvestitionen.

Der Bayerische Gemeindetag schreibt von ca 500 Gemeinden allein in Bayern, die eine Kooperation bezüglich des Netzausbaus mit der Telekom anstreben. Bundesweit dürften sehr viel mehr Gemeinden weiße Flecken auf der Breitbandkarte Deutschlands haben. Wenn da nun, rein zufällig eine Woche vor der Bundestagswahl, etwas Bewegung in die Behebung der Misere kommt, ist das auf jedem Fall begrüßenswert.

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