Okt 24

Der Hersteller von Outdoor Bekleidung Jack Wolfskin, dessen Markenzeichen ein gelber Abdruck einer Wolfstatze ist, lenkt nach heftigem Protest der Netzgemeinde bei den Abmahnungen von Kleinstunternehmern wegen angeblicher Markenrechtsverstöße ein. Jack Wolfskin hatte 10 Anbieter auf der Internetplattform Dawanda abgemahnt. Angeboten wurden Textilien mit Pfotenabdrücken von Hunden oder Katzen. DaWanda ist ein Marktplatz für Unikate und Selbstgemachtes und es ging in allen Fällen um handgefertige Einzelstücke.

Nach heftigem Protest und den Drohungen erster Händler, Produkte von Jack Wolfskin aus dem Sortiment zu nehmen, lenkte man am gestrigen Freitag ein. “ Quelle

Den betroffenen Händlern erläßt man die Zahlung der anwaltlichen Kostennote und sieht von Schadensersatzforderugen ab. Man besteht aber weiter auf ein Verkaufsverbot. DaWanda sieht in diesem Einlenken einen Erfolg, wie man gestern nachlesen konnte. Für die akut Betroffenen ist das sicherlich richtig.

Der Fall wirft jedoch einmal mehr die Frage auf, wie weit Markenschutz geht und wie sehr gerade beim Markenrecht Geld eine große Rolle spielt. Ein gerichtliche Klärung der Frage, ob z.B. bei einem Kleidungsstück mit einer aus Glitzersteinchen gebildeten Abdruck einer Katzenpfote eine Verwechslungsgefahr mit dem Markenzeichen von Jack Wolfskin besteht, wäre doch sehr interessant. Aber Markenstreitigkeiten sind sehr teuer. Selbst bei unbekannten Marken wird ein Streitwert von 50.000 Euro angesetzt, bei bekannten Marken sind es häufig 1 oder 2 Millionen. Die erste „Runde“ vor einem Landgericht kostet daher (abhängig vom Streitwert) mindestens 15.000 Euro.  Eine zweite Runde vor dem Oberlandgericht ist nicht unüblich und die dritte Runde beim BGH durchaus nicht ungewöhnlich. Schon das erste Gerichtsverfahren kann sich kein Kleinunternehmer geschweige denn eine Privatperson leisten. Übliche Rechtsschutzversicherungen decken das Risiko von Markenrechtsverfahren nicht ab. Und so bekommt ein dreister Konzern sein „Recht“, auch wenn er vielleicht im Unrecht ist, die Gegenseite sich aber den Rechtsstreit nicht leisten kann.

Natürlich darf ein Hersteller wie Jack Wolfskin seine Markenrechte verteidigen, um sich z.B. vor Plagiaten aus Asien zu schützen. Auf der Handelsplattform DaWanda werden jedoch handgemachte Unikate verkauft. Hier wäre der Outdoor-Hersteller gut beraten gewesen, vor dem Versand von Abmahnungen durch externe Juristen einmal das eigene Handeln auf soziale Kompetenz zu überprüfen. Oder sollte es die nur in den Werbebroschüren des Unternehmens geben? Sollten die in den letzten Tagen vielfach zu lesenden und sogar zu sehenden Kritiken über Ausbeutung von Näherinnen in El Salvador stimmen, die dort den Berichten nach für 173 Dollar Monatslohn Jack Wolfskin Textilien nähen? Verdient am Ende die chinesische Näherin, die ein Plagiat näht, mehr Geld als ihre Kollegin aus El Salvador, die das Original näht?

Wie dem auch sei: Die Geschäfstführung von Jack Wolfskin wird in den nächsten Wochen am Umsatz spüren, was der „Nokia Effekt“ ist. Halbes Einlenken begrenzt zwar den Schaden, mehr aber auch nicht. Das Netz vergißt nichts, Herr Hell. Weder ein versehentlich bei Facebook eingestellte Foto vom letzten Koma-Saufen noch die Empörung über Abmahnungen.

geschrieben von Holger \\ tags:

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