Dez 22

Noch ein Jahresrückblick?

Ich höre Sie schon stöhnen. Seit Anfang Dezember vergeht kaum ein Tag, wo nicht irgendwo ein Rückblick im Fernsehen lief, irgendwo abgedruckt wurde oder im Radio zu höre war. Und dennoch fehlt noch ein Rückblick – der auf die wichtigsten ITK Themen des Jahres.

Was war 2012?

Im Mobilfunkbereich hat sich das Smartphone endgültig durchgesetzt. Weit mehr als 50% aller verkauften Telefone sind Smartphones und bei den Betriebssystemen ist Android inzwischen klarer Marktführer. Nennenswerte Marktanteile kann nur noch Apples IOS verbuchen – die Wettbewerber Symbian, Bleckberry und Windows Mobile liegen weit abgeschlagen im einstelligen Bereich. Bei den Herstellern hat Samsung im Laufe des Jahres die Marktführerschaft übernommen und Nokia nach 14 Jahren vom Siegertreppchen gestoßen. Nokia kam auch in Q4 mit den neuen Windows8 Telefonen noch nicht auf die erhofften Stückzahlen. Apples iphone5 glänzt zwar durch gute Verkaufszahlen, aber enttäuschte in Bezug auf Innovationen. Technisch kann auch das neue Gerät dem Galaxy S3 von Samsung nicht das Wasser reichen. Noch dazu gibt es das S3 inzwischen in einer Version, die alle LTE-Frequenzen unterstützt, während das iphone hierzulande nur in 100 Städten und nur im Netz der Telekom mit LTE genutzt werden kann.

Damit sind wir schon beim zweite Thema 2012: LTE. Zwar eigentlich ein Mobilfunkprodukt, wurde es 2012 doch sehr stark als Festnetzergänzung oder Festnetzersatz vermarktet. Während Telekom mit Call & Surf via Funk den klassischen Telefonanschluss mit Internet via LTE oder UMTS ergänzt, soll dieser bei Vodafone gleich ersetzt werden. Verständlich, denn so spart man sich die 10,50 Euro Leitungsmiete für die TAL an die Telekom. Das Internet via LTE ein Shared Medium ist und noch dazu mit recht kleinen Volumenpaketen statt Flatrate arbeitet, wird von fleißigen Verkäufern gerne verschwiegen. So wundert es nicht, dass sich die Beschwerden in vielen Foren häufen, das Internet via LTE besonders abends extrem langsam sei. Von diesem Kapazitätsproblem ist Vodafone etwas mehr betroffen als die Telekom – vermutlich, weil Vodafone die LTE-Vermarktung in vielen Gegenden mit speziellen LTE-Vermarktungsteam sehr agressiv betreibt.

Ebensowenig unerwähnt bleiben darf der Patentkrieg im Mobilfunkbereich, der speziell zwischen Apple und Samsung tobt. Hatte hier Apple vor Gericht bislang die Nase leicht vorn, deutet sich in den letzten Wochen eine Wende an. Nicht ganz überraschend kommen immer mehr Apple Patente in die genauere Untersuchung, weil der Verdacht besteht, Techniken patentiert zu haben, die zum Zeitpunkt der Patenteinreichung bereits etabliert waren.  Erst gestern wurde die Liste der „Patente auf Prüfstand“ um ein weiteres ergänzt: Bericht von Onlinekosten.de.

Bei den Tarifen sind immer mehr die Discountermarken auf dem Vormarsch. Mit Yourfone hat eplus eine weitere „No Thrill“ Marke erfolgreich gestartet.

Im Festnetz ging 2012 alles etwas ruhiger zu. Während Vodafone wie schon erwähnt, mehr und mehr die Kunden auf LTE-Produkte umschwenken möchte, um die TAL-Miete einzusparen, herrscht ansonsten ein scharfer Verdrängungswettbewerb im klassischen DSL-Bereich. Wie der VATM in seiner 14. Marktanalyse ermittelte, findet nur im TV-Kabel noch ein nennenswertes Wachstum statt. Hier gab es 2012 auch eine Fusion von Kabel-BW und Unitymedia. Sowohl Kabel Deutschland als auch Unitymedia bauen ihre Kabelnetze weiter aus und bieten in immer mehr Städten mit Eurodocsis 3 Anschlüsse mit 100MBit/s an. In einem Feldtest demonstrierte Kabel Deutschland im Mai eindrucksvoll, wie leistungsfähig Eurodocsis 3 ist und stellte mit 4700 Mbit/s einen Weltrekord auf.

Im DSL-Bereich nehmen die Planungen, durch Vectoring die Geschwindigkeiten im DSL-Bereich auf bis zu 100Mbit/s zu erhöhen, konkretere Formen an. Da aber nur jeweils ein Anbieter auf den Leitungen auch Vectoring betreiben kann, gibt es hier naturgemäß noch viel Streit zwischen der Deutschen Telekom und den Wettbewerbern, die sich im Breko und VATM organisiert haben.

Den fortschreitenden Konsolidierungsprozess merkt man z.B. am Verschwinden der Marke Alice. Telefonica hat die Alice DSL Produkte zum 13.12. in o2 DSL umbenannt. Und die Gerüchte, dass Vodafone sein Festnetzgeschäft zumindest teilweise verkaufen könnte, halten sich hartnäckig. Als möglicher Käufer wird meist die United Internet AG gehandelt, die nach der Telekom und Vodafone immerhin Platz 3 im deutschen Festmarkt innehat. Preislich war der Festnetzmarkt kaum in Bewegung – hier ist nach Branchenberechnungen der Preis ohnehin am Boden des Machbaren. Um die Betriebskosten zu senken, setzen alle Anbieter bei PK-Produkten auf Telefonie über IP. Die Deutsche Telekom startete 2012 als letzter großer Marktteilnehmer mit der Anschlussart „IP“ – die klassischen Analog- und ISDN-Anschlüsse werden aber noch weiterhin angeboten.

In der IT war sicherlich Windows 8 einer der Meilensteine des Jahres. Das neue System mit der Kacheloberfläche, die ursprünglich Metro genannt wurde, dann aber wegen der möglichen Verletzung der Namensrechte des gleichnamigen Handelskonzerns namenlos wurde, vereint erstmals die Bedienung mit Maus und Touchbildschirmen in einem System. Der Kunde soll auf Handy, Tablet, Notebook und Desktop die gleiche Oberfläche nutzen können. Von der Idee her klingt das gut, an der Ausführung wurde bereits nach Erscheinen der Testversionen gemäkelt.

Zum Sommer brachen die Verkaufszahlen bei Notebooks und PCs ein – alle Analysten glaubten, dass die Kunden auf Windows 8 warten würden. Nun ist Windows 8 auf dem Markt und Micrsoft meldet Rekordverkäufe des neuen Windows. Nur der Absatz von Notebooks und PCs ist noch immer auf niedrigem Niveau. Offenbar wollen die Kunden auch keine Rechner mit Windows 8 haben. Möglicherweise wurde in den Monaten zuvor mit Windows 7 Rechnern gehamstert. Die Ankündigung eines Windows 9 bereits für das kommende Jahr deutet jedenfalls an, dass auch Microsoft ein Absatz- und Akzeptanzproblem sieht und grundlegend nachbessern will. Der Blogger tippt diese Zeilen übrigens auch auf einem neuen Rechner, den er aber klassisch mit Windows 7 bestückt hat.

Auch 2012 gab es wieder reichlich Datenpannen und Datenverluste, chronologisch schön nachzulesen auf Datenleckt.net. Auffallend in dieser Auflistung ist eine extreme Häufung im Sommer – man könnte meinen, dass in der Urlaubszeit auch der sorgsame Umgang mit kritischen Daten Urlaub gemacht hat. Ganz aktuell ist eine Warnung vor manipulierten Kartenterminals des Hamburger LKA, von der heise.de vor wenigen Tagen berichtete. Im Sommer schon berichtete heise.de über eine brandgefährliche Sicherheitslücke bei dem in Deutschlands am häufigsten anzutreffendem Gerät. Hier war der Datendiebstahl ohne direkte Manipulation am Gerät möglich. Es reichte der Zugriff auf das Netzwerk, in dem das Terminal arbeitet.

Bei den Trojanern war 2012 eine klare Entwicklung hin zu Erpressungstrojanern auszumachen. Der allseits bekannte UKASH-Trojaner, hierzulande auch als BKA-Trojaner bekannt, hat den Sprung über den großen Teich geschafft und treibt in den USA als CIA-Trojaner sein Unwesne. Wir berichteten bereits im Sommer 2011, wie man diesen Plagegeist los wird. An den Zugriffszahlen auf die Beiträge über diesen Trojaner ist leider zu erkennen, wie akut diese Gefahr nach wie vor ist und wie aktiv die Cyberkriminellen sind, um immer wieder mit neuen Sicherheitslücken den Weg auf die Rechner zu finden und deren Besitzer zu Zahlungen zu erpressen. Es sollen inzwischen Varianten dieses Trojaners aufgetaucht sein, die Daten auf der Festplatte verschlüsseln. Telkotalk wird dies im Auge behalten und weiter berichten.

Das war mal ein kleiner Rückblick auf das ereignisreiche Jahr 2012. Natürlich ganz subjektiv und mit Anspruch auf Unvollständigkeit. Lesen Sie wenigen Tagen weiter, wenn es heißt:

Was wird: Telkotalks Vorschau 2013

geschrieben von Holger

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