Jun 05

Die Nachrichtenlage um den Bezahlsender Sky kommt nicht zur Ruhe. Erst am 25.5.2011 hatte die Münchener Staatsanwaltschaft die Geschäftsräume von Sky sowie weitere 20 Wohnungen und Büros in Deutschland und Luxemburg durchsucht. Ermittelt werde wegen falscher Abozahlen in den Bilanzen 2007 und dem 1. Halbjahr 2008, wo es nach Angaben der BAFIN um eine „Schönung“ von 600.000 Abos geht. Daher werde nach Angaben der Münchener Staatsanwaltschaft gegen drei Exmanager des Senders wegen Kapitalanlagebetrugs, Marktmanipulation und unrichtiger Darstellung ermittelt.

Nun legt der Spiegel nach und berichtet von fragwürdigen Methoden der Kundengewinnung. Laut Bericht des Spiegel schickt der Sender an Bundesliga-Samstagen verdeckter Ermittler in Cafes, Bars und Kneipen, um zu ermitteln, ob dort mit geborgter Sky-Karte Fußball gezeigt werde.  Ertappte Wirte würden von einer Kanzlei angeschrieben und zur Zahlung einer „Strafe“ (Schadensersatz) von 3000,- Euro aufgefordert. Die Summe verringert sich auf 300,- Euro, wenn der Wirt ein Sky-Abo für seinen Betrieb abschließt. Wie moralisch diese Praktik ist, mag jeder für sich entscheiden.

Aus dem Raum Augsburg kamen aber Meldungen, wonach mehrere Wirte nachweislich gar kein TV-Gerät in den Gasträumen aufgestellt haben. Einer der beschuldigten Wirte hat seinerseits Anzeige gegen falsche Beschuldigungen erstattet.  Während Sky-Sprecher Wolfram Winter von Beweisen für valide juristische Vorgänge spricht, kam es in Augsburg zu mehreren erfundenen Fußballübertragungen eines der verdeckten Ermittlers.

Sky hat natürlich das Recht, Verstöße gegen die Geschäftsbedingungen, zu denen die Vorführung mithilfe eines Privatkundenabos sicherlich zählt, zu ahnden. Ob die Methode mit verdeckten Ermittlern imagefördernd und angemessen ist, das mag jeder für sich entscheiden. Die GEZ z.B. genießt ja auch nicht zuletzt wegen des „netten“ Aussendienstes eine ähnliche  Beliebtheit wie Zahnwurzelbehandlungen. Aber wenn eigenen Ermittler, die vermutlich Erfolgsprämien bekommen, anfangen, Verstöße wegen einer Erfolgsprämie zu erfinden, dann wird es kriminell.  Sky sollte sich von diesen Ermittlern schleunigst öffentlich distanzieren und die ganze Vorgehensweise auf den Prüfstand stellen. Sonst klingelt die Staatsanwaltschaft bald wieder an der Tür.

„Ich was Besseres“ heißt es in der aktuellen Werbung. Nein, das sehe ich nicht. Verdeckte Ermittler sind Methoden von Geheimdiensten, in seltenen Fällen auch bei der Kriminalpolizei. Wenn ein Fernsehsender zu solch drastischen Mitteln greift und seine Spitzel nicht mal richtig im Griff hat, dann sehe ich drin nicht Besseres. Mich erinnert das mehr an Stasimethoden als an besseres Fernsehen.

geschrieben von Holger \\ tags: , , ,

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