TelkoTalk

Neues aus der Telekommunikation

Wie neutral sind unsere Provider noch?

Sonntag 25. Juli 2010 von Holger

Nach dem Vorstoß von Herrn Obermann im manager magazin, zukünftig von Firmen wie google oder Apple Geld zu verlangen, da ihre Inhalte hohe Bandbreiten und eine hohe Netzqualität erfordern, ist in Deutschland auch die Diskussion über die Netzneutralität entbrannt. Diese Diskussion ist keineswegs neu und wird in den USA schon seit längerem geführt. Und es ist ja keineswegs so, dass die Anbieter keine Kosten auf sich nehmen, durch verteiltes Hosting ihre Inhalte/Server schon in die Nähe der Kunden zu stellen.  Das machen sie durch eigene auf der ganzen Welt verteilte Rechenzentren wie im Falle von google oder durch Buchung von Services bei Anbietern wie Akamai.

Dabei darf man die Frage stellen, wie neutral sind die Provider denn heute noch. Denn schon heute drehen einige Anbieter an den Stellschrauben. Die Palette reicht vom gezielten Ausbremsen von P2P-Diensten bis zu vermeintlich harmlosen Dingen wie dem Einblenden einer Suchseite im Falle der Eingabe einer ungültigen Web-Adresse.

Letzteres ist nur auf dem ersten Blick harmlos – es stellt einen tiefen und gefährlichen Eingriff in den DNS-Dienst dar. Wenn Sie z.B. morgens vor dem ersten Kaffee ww.telkotalk eingeben, dann sollte Ihnen ihr Browser melden, dass es diese Seite nicht gibt. Einige Browser ergänzen die Eingabe um ein .com und probieren es noch mal – ebenfalls vergeben. Je nach Einstellung wird Ihnen nun der Browser evtl. eine Suchseite anbieten und auf der wird Werbung eingeblendet. Von diesem Kuchen der Werbeeinnahmen wollen viele Provider ein Stück abhaben und nutzen ihren Vorteil aus. In der Regel nutzt ein Surfer ja die DNS-Server des Providers und dieser weiß vor dem Browser, dass die eingetippte Adresse ungültig ist. Anstatt nun dem Browser die Meldung “NXDOMAIN” (Domain nicht gefunden) zu senden, bekommt ihr Browser eine Adresse mitgeteilt, auf der ihr Provider ihnen Suchergebnisse zur falschen Eingabe präsentiert. Dieser Service mag von dem einen oder anderen Kunden sogar begrüßt werden, aber die DNS-Falschmeldung birgt große Risiken.

Abseits des Browser sind viele Anwendungen auf eine korrekte Antwort angewiesen. Aber statt “NXDOMAIN” erhalten auch sie die Adresse des Werbeservers. Ob es nun ein Linux ist, das beim Zugriff auf Windows-Freigaben erst eine DNS-Abfrage startet und nun eine irreführende “positive” Antwort erhält oder ein SPAM-Filter, der nun die fatale Antwort erhält, dass es die Phantasiedomain eines SPAMMERS wirklich gibt. Die Folgen sind ärgerlich.

Das Verbiegen von DNS-Anfragen wird weltweit von allen Gremien abgelehnt, verstößt jedoch nicht explizit gegen RFC-Standards des Internet.

Es wäre nun schlau, diese Umleitung nur für Anfragen eines Browsers vorzunehmen. Dummerweise sieht man einer Domainanfrage nicht, für welche Anwendung sie gestellt wurde. Man kann nur anhand von Namensbestandteilen raten. Eine Anfrage nach www.telkotalk.de kommt vermutlich von einem Browser, eine Anfrage mail.telkotalk.de von einem Mail-Programm oder Mail-Server. Nach diesem Prinzip  arbeiten die beiden Anbieter Alice und Kabel Deutschland. T-Online und Versatel gehen hier deutlich agressiver vor und führen nur eine Negativ_Liste von Namensbestandteilen, die man wie z.B. mail.xxxx besser unmanipuliert läßt.

Die DNS-Manipulationen werfen auch noch juristische Probleme auf. So ist zum Beispiel die Nutzung fremder Markenname nicht zulässig. Eine Domain wie z.B. Cocacola.telkotalk.de wäre nicht zulässig und es gibt sie natürlich auch nicht. Die DNS-Manipulierer melden aber kein “NXDOMAIN”, sondern leiten diese Anfrage gleich an die eigene Suchmaschine weiter. Letzteres verletzt auch die EU-Datenschutzrichtlinie 95/46 der EU, aber aufgrund der geringen Beeinträchtigung griff man beim englischen Provider Virgin nicht ein.

Bei vielen deutschen Providern kann man diese Art der DNS-Suchhilfe abschalten lassen. Endgültige Abhilfe gegen diese Praktiken wird erst die flächendeckende Einführung von DNSSEC bringen. Aus verschiedensten Gründen haben es damit viele Provider gar nicht eilig. Auch Politiker, die noch immer von Netzsperren träumen, mögen DNSSEC nicht wirklich. Grund genug für eine Grundsatzdebatte in der Politik. Vielleicht in diesem Sommer!

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Loveparade Duisburg: Am Tag danach

Sonntag 25. Juli 2010 von Holger

Ein schöner Sonntag vormittag und eigentlich wollte der Blogger mal seinen Senf zum Thema Netzneutralität kund geben. Aber die schrecklichen Bilder der Massenpanik der gestrigen Loveparade in Duisburg wollen ihm nicht aus dem Kopf. Auch wenn es schon einige Jahre her ist, hat er ja selbst die Loveparade besucht.  Und so gibt es den ersten Telkotalk-Beitrag, der so gar nicht mit Telekommunikation zu hat. Auf dem ersten Blick.

Mittlerweile sind 19 Todesfälle zu beklagen und mehr als 340 Verletzte – darunter noch einige in Lebensgefahr. Was letztendlich der genaue Auslöser für diese Massenpanik war, ist noch unklar. Zu widersprüchlich sind die Aussagen, was sich an und in der Unterführung abgespielt hat. Völlig unklar ist, ob die Besucher, die von Zäunen auf andere Besucher fielen, auf das Gelände wollten oder es aus Platzangst schon wieder verlassen wollten.

Klar ist lediglich: Das Gelände war für die 1,4 Millionen erwarteten Besucher viel zu klein.  Der einzige Zugang durch diese Unterführung hat dazu geführt, dass zum Zeitpunkt des Unglückes nur ca 500.000 Menschen auf dem Gelände waren und noch sehr viele Besucher nicht auf das Gelände gelangten. Der einzige Zugang hat auch dazu geführt, dass sich die Besucher nicht auf das ganze Gelände gleichmäßig verteilten, sondern in der Nähe der Unterführung blieben, wo es gefährlich eng wurde. Noch bevor das Unglück geschah, wollten daher viele Tausend Menschen das Gelände wieder verlassen. Was aber nur durch diese eine Unterführung ging, denn es gab auch keinen weiteren Ausgang.

Was genau geschah, werden Polizei und Staatsanwaltschaft sicherlich akribisch ermitteln. Jeder, der schon mal in einem Bundesligastadion war oder an Open Air Konzerten teilnahm, kann sich aber vorstellen, das nur ein Zugang schon bei nur 100.000 Besuchern ein gefährliches Nadelöhr ist. Erwartet wurden hier aber 1,4 Millionen Besucher. Und so hat es Warnungen im Vorfeld nicht gemangelt. Sicherlich wird man Ende einen Schuldigen ermitteln und evtl. sogar rechtlich belangen.

Der eigentlich Schuldige ist aber der Senat in Berlin. Durch seine völlig überzogenen finanziellen Forderungen (Kosten der Stadtreinung) und Auflagen mußte die Loveparade ja die Hauptstadt verlassen und ins Ruhrgebiet ausweichen. Die vom Senat geforderten Millionenbeträge für die Kosten der Stadtreinigung kann ein Veranstalter, der keine Eintrittsgelder kassiert, nicht aufbringen.

Den Angehörigen gilt heute das ganze Mitgefühl. Und so zündet der Blogger traurig ein Teelicht an und pfeift leise “Somewhere over the rainbow”. Er stellt sich die fetten Beats von Marushas Version dieses Kinderliedes vor und wünscht sich, dass die Opfer ihren Platz am anderen Ende des Regenbogens finden.

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Telefon-SPAM: Täter haben wenig zu befürchten

Donnerstag 15. Juli 2010 von Holger

Trotz schärferer Gesetze werden Deutsche immer häufiger durch Telefon-SPAM belästigt. Sei es durch Bandansagen, die dem Angerufenen mitteilen, er habe gewonnen und solle bitte zur Einlösung des Gewinns eine 0900er RUfnummer anrufen oder durch echte Mitarbeiter, die z.B. vorgeben, bei der ARD zu arbeiten und einem die frohe Kunde eines Gewinns von 330 Euro bei einem Gewinnspiel der ARD überbringen wollen. Wie selbstverständlich wird gefragt, ob der Gewinner sein Konto bei der Sparkasse oder der Volksbank habe – schließlich möchte man den Gewinn ja schnell überweisen. Auch beim Blogger rief diese “ARD” vor einigen Wochen an. Dank CTI-Software auf dem Rechner konnte die Rufnummer 032223321806 des Anrufers mit Hilfe von Google schnell als bekannte Nummer enttarnt werden.

Bei so vielen bekannten Fällen fragt sich der Verbraucher, warum nichts passiert. Telkotalk hat sich an die ARD gewandt, die in diesen Fällen auch ganz selbstverständlich von Betrugsversuchen spricht.

In der Stellungsnahme der Zuschauerredaktion heißt es weiter  “Das Landeskriminalamt Berlin ist zwischenzeitlich ebenfalls aktiv. Sie werden sicher Verständnis haben, dass es hinsichtlich der Strafverfolung mehr als problematisch ist, diese nur auf Basis von Berichten von Anrufen vorzunehmen. Wir vertrauen weiterhin auf das Justizsystem und die betrauten Instanzen und hoffen, dass die Anrufe bald aufhören.

Das klingt irgendwie wenig hoffnungsvoll. Natürlich sind der ARD selbst die Hände gebunden. Solange die strafverfolgenden Behörden nicht einmal den Täter ermitteln, kann man gegen diese weder straf- noch zivilrechtlich vorgehen. Und genau das ist der wunde Punkt in Deutschland.

In einem Artikel der FAZ wird am 10. Juli berichtet, dass die Bundesnetzagentur die Staatsanwaltschaften scharf kritisiert. Die Verfahren würden zu häufig eingestellt und die wirtschaftliche Dimension der Fälle völlig unterschätzt. Zudem sitzen die Hintermänner immer häufiger im Ausland und agieren mit deutschen Strohmännern und Briefkastenfirmen. Daher fordert die Bundesnetzagentur nun die Schaffung einer Schwerpunktstaatsanwaltschaft. Die Bundesnetzagentur geht davon aus, dass der Telefon-SPAM trotz teilweiser innerhalb weniger Tage erwirkten Abschaltungen von 0900er Rufnummern und Inkassoverboten für diese Nummern weiterhin äußerst lukrativ sein muss, da sich die Fälle immer mehr häufen. Immer mehr Verbraucher wenden sich mit Beschwerden diesbezüglich an die Netzagentur, die zum Ende diesen Jahres mit der Rekordzahl von 70.000 Beschwerden rechnet.

Liebe Frau Aigner: Natürlich ist Facebook eine “böse” Webseite und wenn man sich dort publikumswirksam abmeldet, weil der Datenschutz eher nicht vorhanden ist, dann findet Telkotalk das ok. Aber es wäre wünschenswert, wenn auch den Telefonbetrügern das Leben schwerer gemacht wird. An den angedrohten Strafmassen kann es nicht mehr liegen, die sind schon recht hoch. Aber solange niemand ernsthaftes Interesse an der Durchsetzung des geltenden Rechts zeigt, sind all diese schönen Verbraucherschutzgesetze zahnlose Tiger. Also Frau Aigner, auf gehts, stoppen Sie das Treiben der Telefon-Betrüger! Zeigen Sie den Verbrauchern, dass Deutschland ein Rechtsstaat ist, der seine Bürger vor allzu offensichtlichen Betrügereien schützt!

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versatel: Ausstieg aus dem Kabelgeschäft

Dienstag 29. Juni 2010 von Holger

Logo versatelNach den Gerüchten, versatel könnte sich für die angeschlagene Primacom interessieren, kam heute abend eine kleine Überraschung aus der Konzerzentrale. Versatel verkauft die Versatel Kabel GmbH für 66 Millionen Euro an den französischen Finanzinvestor Chequers Capital. Mit dem Verkauf wurde außerdem ein Wholesale-Vertrag über die Bereitstellung der Netzebene-3-Leistungen auf Basis der vorhandenen Netzinfrastruktur vereinbart. Dieses Wholesale-Geschäft beinhaltet für die Versatel AG ein Umsatzvolumen von rund 9 Millionen Euro.

Damit unterstreicht das Unternehmen nach eigene Ansicht die Strategie der Fokussierung auf das B2B-Geschäft, um in diesem Segment den Wettbewerbsvorteil – das eigene Netz – noch intensiver zu nutzen. Mit dem Verkauf verschafft sich der Telekommunikationsanbieter die nötige Flexibilität für eine umfassende Stärkung des B2B-Geschäfts.

Anders ausgedrückt: Man braucht das Geld, um in anderen Bereichen weitere Investitionen tätigen zu können. Aktuell wird der Fokus auf B2B-Produkte sowie auf das Wholesale-Geschäft gelegt. Dabei waren auch diese Bereiche im dirkten Vergleich 2008/2009 ebenso rückläufig wie das Privatkundengeschäft.

Die Strategie der versatel AG waren in den letzten Jahren sehr wechselhaft. Plante man 2005 nach der Fusion der Versatel Deutschland mit der Tropolys-Gruppe noch den Aufstieg zur Nummer 2 im deutschen Festnetzgeschäft, so wendete sich das Blatt nach dem Börsengang und dem Absturz der Aktie. Mögliche Zukäufe wie z.B. von AOL wurden vermutlich aus finanziellen Gründen nicht realisiert. Stattdessen überraschte man 2008 mit dem Kauf zwei kleiner Netzebene-4-Kabelanbieter. Nun also wurde das Abenteuer Kabel-TV beendet und dieser Geschäftszweig wieder verkauft und so wie es aussieht, ohne größere Verluste.

Nun also die Strategie weg vom nervigen, kaum Marge bringenden Privatkunden hin zum Geschäftskunden. Doch auch dieses Terrain ist heiß umkämpft und mit Vodafone ist ein Wettbewerber im Haifischbecken, der aktuell sehr preisagressiv auftritt. Erschwerend kommt hinzu, das die Globalplayer am Geschäftskundenmarkt mit einem eigenen Mobilfunknetz aufwarten können und so sinnvolle runde Pakete anbieten können. Versatel kann hier nur eine Kooperation mit eplus aufweisen – ein Netz, dessen Ausbau insbesondere bei UMTS einfach nicht mehr zeitgemäß ist.

Und da sind wir bei den Gemeinsamkeiten von eplus und versatel: Beides sind Netzbetreiber, die zwar kleine Gewinne abwerfen, das aber auf Kosten des Wachstums und des Netzausbaus. Beide haben es versäumt, sich den Anforderungen der nächsten Jahre zu stellen und die Weichen auf weiteren Erfolg zu stellen. Man kann den Eindruck gewinnen, dass beide auf einen großen Investor warten, der bereit ist, viel Geld in die Hand zu nehmen. Nur so einer ist derzeit am deutschen Markt nicht in Sicht. Und so steht man bei Versatel vor dem Trümmerhaufen der Fehler aus den vergangenen Jahren. Durch das lange Festhalten an ISDN hat man den Aufbau eines leistungsfähigen All-IP-Netzes lange versäumt. Die Betriebskosten sind im direkten Vergleich zu den Marktbegleitern Vodafone und Alice deutlich höher. Und dazu der Nachteil, ein Regionalcarrier zu sein, während die Marktbegleiter dank All-IP bundesweit anbieten können.

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IPhone4: Beim Telefonieren bitte nicht anfassen

Samstag 26. Juni 2010 von Holger

Seit zwei Tagen (seit dem 24.6.2010) ist das neue IPhone4 auf dem Markt und es soll sich bereits mehr als 1 Millionen mal verkauft haben. Über Sinn oder Unsinn eines Apple-Produkte zu sinnieren, ist zwecklos. Das ist schlimmer wie die Glaubensfrage zwischen Christen und Muslime.  Sei´s drum, die Dinger sehen stylisch aus und glänzen durch Funktion und überhöhte Preise.

Beim IPhone4 droht Apple nun ein ernsteres Fiasko. Bereits am ersten Tag tauchten Meldungen über Gesprächabbrüche und schlechtem Empfang während des Telefonierens.  Besonders dann, wenn man es während des Gespräches in die linke Hand nehme. Von Apple war darauf sofort zu hören, dass sei “eine Gegebenheit des Lebens bei jedem Mobiltelefon” und man möge es wie bei jedem Mobiltelefon vermeiden, die Antenne mit der Hand abzudecken.

Das ist sicherlich richtig und doch scheint es nur die halbe Wahrheit zu sein. Kein beliebiges Mobiltelefon benutzt blanken, offen berührbaren Edelstahl als Antenne. Beim IPhone4 wird bekanntlich ein Teil des Edelstahlrahmens als Antenne genutzt. Präzise gesagt, für UMTS ist es der untere Teil des Rahmens. Und den berührt man sehr leicht, wenn man das Telefon während des Telefonierens in die Hand nimmt, was ja die meisten Nutzer mit ihrem Gerät machen. Das direkte Berühren beider Antennenenden (unisolierter Edelstahl!) verstimmt natürlich sofort die Antenne und den Sendeschwingkreis und hat in vielen Fällen den sofortigen Abbruch der UMTS-Verbindung zur Folge. In den meisten Fällen gelingt dann noch der reibungslose Handover ins normale GSM-Netz, so dass es nicht zum Gesprächsabbruch kommt. Aber eben nicht immer.

Die Redaktion von Onlinekosten.de hat ein kleines Video gedreht, das sehr schön diese Problematik zeigt. Apple empfiehlt vorsorglich schon mal die Verwendung einer Schutzhülle. Klar, das verhindert den leitenden Kontakt zur Antenne. Und böse Zungen unken bereits, es wird bald ein App geben, dass dem IPhone4-Besitzer das “richtige” Halten seiner Neuerwerbung zeigt.

Lieber Steve Jobs: Seit Erfindung mobiler drahtloser Kommunikationseinrichtungen ist es üblich, die Antennen am oberen Gehäuseende anzubringen. Ok, das war lange bevor es eine Firma Apple Computer gab. Sogar lange bevor es Apple Records gab. Aber auch bei neuen UMTS-Handies ist dies üblich. Nicht, weil man das schon immer so gemacht hat, sondern weil man dort die geringste Abdeckung durch den Nutzer erwarten darf. Der faßt sein Mobilgerät eher in der Mitte oder unten an. Und das der menschliche Körper ein prima Leiter ist, sollte auch bekannt sein. Physik, 5. Klasse…

Wie Apple das Problem langfristig löst, wird spannend. Per Firmwareupdate kann man diese Fehlkonstruktion nicht beheben. Und der Blogger ist froh, so ein “normales” Gerät eines etablierten Herstellers sein Eigen zu nennen. Das sieht zwar vielleicht nicht so schön aus, aber man darf es einfach wie man mag in der Hand halten, wenn man damit telefoniert. Sogar in der linken Hand, Herr Jobs.

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Primacom: Operativer Betrieb vorerst gerettet

Samstag 19. Juni 2010 von Holger

Nach dem die Primacom Holding am 14. Juni 2010 Insolvenz anmelden mußte, ist das operative Geschäft vorerst gesichert. Nach Angaben des Unternehmens gab es in den vergangenen Tagen eine Einigung mit den Banken, die zum einen weitere 15 Millionen Euro Kredite gewähren und zum anderen Zahlungsverpflichtungen in Höhe von 15 Millionen Euro gestundet haben. Damit stehen aus Sicht der Geschäftsführung ausreichend finanzielle Mittel zur weiteren Verfolgung des Wachstumskurses des Unternehmens zur Verfügung.

Nicht in allen Versorgungsgebieten wird diese Nachricht mit Freude zur Kenntnis genommen. Im Stadtgebiet von Osnabrück, wo seit Ende letzten Jahres die Exklusivvermarktungsrechte von Primacom endeten und nun Kabel Deutschland seit 1.4. selbst Kunden bedient, ist man auf Primacom gar nicht gut zu sprechen. Diverse anhängige Gerichtsverfahren zwischen Primacom und Kabel Deutschland blockieren vielen Kunden, deren Vermieter einen Vertrag mit der Primacom haben, nun die Buchung von Digital-TV oder Internet bei Kabel Deutschland. Nicht wenige hatten auf eine schnelle Pleite gehofft, um die WM in Digitalem HD erleben zu können.

Noch Anfang der Woche meldete die Primacom Holding am 14. Juni 2010 Insolvenz an. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Hartwig Albers der Kanzlei Brinkmann & Partner bestellt. Die Kanzlei hat sich im Bereich der Insolvenzverwaltung einen gut Ruf erarbeitet und wickelt z.B. derzeit auch die Insolvenz der Prime Time Entertainment AG ab.

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ZDF Doku: “Verirrt im Telefondschungel”

Samstag 19. Juni 2010 von Holger

Das viele Telefongesellschaften beim Service sparen, ist ja seit langem kein Geheimnis mehr. Auch wenn Anbieter ohne eigenes Netz Anfang des Jahres publikumswirksam einen langjährigen Angestellten als Service-Retter ins Rampenlicht gerückt hat, änderte sich effektiv wenig am Markt. Kein Wunder, haben die meisten Anbieter doch z.B. ihre Hotline an externe Call Center vergeben, wo der Anrufer sehr oft auf schlecht bezahltes und unzureichend geschultes Personal trifft. Nun wollte es das ZDF mal genauer wissen und beauftragte die Forschungsgruppe Wahlen mit einer telefonischen Umfrage. Befragt wurden 1203 represetentativ ausgewählte Kunden und die Ergebnisse überraschen kaum:

Demnach hatten 33,7% der Befragten in den letzten drei Jahren Ärger mit Ihrer Telefongesellschaft. 72,5% waren unzufrieden mit der Problembeseitigung, etwas die Hälfte der Befragten gab an, dass ihr Problem gar nicht gelöst worden sei und nur 6,7% waren mit der Lösung zufrieden. Das läßt tief blicken, zu mal die Probleme der Kunden im Wesentlichen die “Klassiker” sind, die wir schon seit einem Jahrzehnt kennen. Also Internetausfall, keine telefonische Erreichbarkeit (häufig nach Portierungen) und fehlerhafte Rechnungen. Einige Details veröffentlicht das ZDF auf der eigenen Webseite.

Die WISO-Redaktion hat eine Dokumentation produziert, die am Montag den 21.6.2010 um 19:40 (VPS 19:25) gesendet wurde. Man kann sie unter dem Link zum ZDF noch einmal ganz leider in Teilen anschauen. Leider wird diese Möglichkeit nur einige Wochen nach Ausstrahlung existieren.

Mir persönlich hat besonders die Aussage von Urs Mansmann (c´t) gefallen: “Also wenn man sich Ärger einhandeln will, ist es das Beste, den bisherigen Vertrag selber zu kündigen…”. Sehr zutreffend formuliert. Leider sind die meisten Endverbraucher, wie auch aus meiner eigenen beruflichen Tätigkeit weiß, genau in diesem Punkt beratungsresitent.

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Software-Patente: Neues Urteil vom BHG und Online-Petition

Montag 24. Mai 2010 von Holger

Petition gegen Software Patente

Wie am 19. Mai bekannt wurde, hat der BGH am 22. April diesen Jahres ein Urteil gefällt, dass nach Ansicht vieler Rechtsexperten den Weg für Software-Patente in Deutschland ebnet. Stellvertretend für viele Artikel zu diesem Thema seien hier die Artikel auf heise Online vom 19. Mai und eine Zusammenfassung der öffentlichen Reaktionen vom 20. Mai erwähnt.

Nun hat das erstmal wenig mit Telekommunikation zu tun. Warum dann dieser Beitrag? Weil es viele Webseiten wie diese hier betreffen wird. War es bislang kaum möglich, in Europa Patente auf weltweit übliche Dinge wie Online-Shops, Warenkörbe oder auch Thumbnail-Vorschauen zu bekommen, so könnte sich das nun ändern. Weil irgendwo auf der Welt für fast alles, was im Web so üblich ist, ein Patent existiert. Und wenn es irgendwelchen Verwertungsfirmen gelingt, diese auch als EU-Patent einzutragen, dann hat es eine Menge mit unseren Webseiten zu tun.

Bevor also nun Scharlatanen das Feld überlassen wird und so (oft banale) US-Patente zu EU-Patenten werden, die dann von skrupellosen Anwälten zu Abmahnwellen missbraucht werden können, ist es Zeit, eine europäische gesetzliche Regelung zu bekommen. Mitglieder des Förderverein für eine Freie Informationelle Infrastruktur (FFII) haben eine Online-Petition gegen Software-Patente in der EU organisiert. Auf der Webseite der Petition sind auch zahlreiche Beispiele von US-Patenten , die uns in Europa sonst “blühen” und gerade uns Nutzern freier Software wie joomla, wordpress usw. das Leben sehr schwer machen könnte. Eine erste Schätzung hat ergeben, dass z.B. eine Seite wie diese hier gegen rund ein halbes Dutzend von umstrittenen US-Patenten verstoßen dürfte. Wer sich nun fragt, warum es in den USA keine Abmahnwelle aufgrund dieser Patente gibt, dem sei kurz erklärt, dass die kostenpflichtige Abmahnung eine Spezialität des deutschen Rechtssystems ist.

Patentschutz hat übrigens nichts mit dem Urheberrecht zu tun. Es geht nicht darum, dem Urheber eines tollen Programmes die Rechte daran zu vermiesen und ihn um die Früchte seiner Arbeit zu bringen. Es geht darum, die zumeist sehr trivialen Patente im Bereich Software zu unterbinden. Auf der Webseite des FFII gibt es ein Webshopbeispiel mit der Erläuterung der bereits existierenden EU-Patente.

Es geht auch nicht darum, jeden, der ein Software-Patent anstrebt, zu verteufeln. Häufig werden diese Patente nur angemeldet, um sich vor dreisten 1:1 Plagiaten zu schützen. Einmal existierende Patente gelangen jedoch mitunter z.B. nach Pleite eines Unternehmens in die Hände von Trollen, offiziell Verwertungsgesellschaft genannt. Und die terrorisieren dann andere Softwarefirmen und ihre Kunden. Und im Falle von freier Software gibt es ja keinen Hersteller, also terrorisieren gleich die Verwender der Software und wollen diese zu teuren Lizenzen zwingen.

Wir bitten also jeden Leser, diesem Anliegen ein paar Minuten Zeit zu widmen und die Webseite der Petition zu besuchen. Bitte nehmt an der Petition teil und zeigt den Politikern den Willen des Volkes. Wir brauchen keine amerikanischen Verhältnisse.

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E-plus: Machts gut und Danke für den Fisch!

Sonntag 23. Mai 2010 von Holger

In dieser Woche endete die Versteigerung von Frequenzen der Bundesnetzagentur für die 4. Mobilfunkgeneration, besser bekannt unter dem Namen LTE. Das Ergebnis überraschte eigentlich niemanden: Im reichweitenstarken 800MHz Band (digitale Dividende) gab E-Plus auf. Das 800MHz-Band ist der Freuenzbereich, mit dem man hofft, die zahlreichen weißen Flecken auf der Landkarte der Breitbandversorgung endlich tilgen zu können. Aus diesem Geschäft hat sich nun E-Plus zurückgezogen.

Schon beim UMTS-Standard hält sich E-Plus vornehm zurück und erfüllt gerade so die Auflagen der 3G-Lizenz. Dort wo man versorgt, stehen den Kunden lediglich 384KBit/s zur Verfügung. Die Datenturbos HSDPA und HSUPA werden nur einer Handvoll Städte angeboten.

Bei LTE ist E-Plus bei den Frequenzen hoher Reichweite eben nicht dabei. Die neue Strategier lautet also “Mut zur Lücke”. Man wird die Versorgung in den Städten zum Discounterpreis anbieten müssen, um sich vom Wettbewerb absetzen zu können. Doch an der Preisschraube hatte zuletzt schon O2 kräftig gedreht. Discountpreise bei einer Versorgung, die der Versorgung der beiden Big Player des deutschen Marktes nur unwesentlich nachsteht. Da bleibt für E-Plus wenig Platz. Schon in der Vergangenheit wurde das Netz zunehmend durch eigene und fremde Discountmarken wie Aldi-Talk, blau.de, Klarmobil oder Simyo ausgelastet. Und mit denen kann man nur Geld verdienen, wenn man wenig Geld in den Netzausbau investiert. So wie in den letzten beiden Jahren bei E-Plus geschehen. Aber das wird nicht mehr lange gut gehen. KPN wird sich in den nächsten 2 Jahren entscheiden müssen, ob sie E-Plus aufgeben (Insolvenz oder Verkauf zum Ramschpreis) oder sehr viel Geld für den Netz-Ausbau in die Hand nehmen wollen. Und selbst dann wäre E-Plus immer noch nur ein Stadtfunker…

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Google auf dem Weg zur Stasi 2.0?

Samstag 15. Mai 2010 von Holger

Hatten Kritiker nicht schon lange vor der Datenkrake Google gewarnt? Zwar hatte facebook sich in den letzten Wochen größte Mühe gegeben, sich mit allerlei Maßnahme zum Feind Nr.1 aller Datenschützer zu machen, aber nun schlägt der Suchmaschinengigant zurück.

Nach hartnäckigem Bohren der Hamburger Datenschützer gab google heute zu, nicht nur Position, Kanal, SSID und Mac-Adressen privater WLAN-Netze gespeichert zu haben, sondern auch “Payload”.  Also Nutzdaten.  Also Mails, Webseiten usw. Und das seit 2007, also seit die ersten Autos für Streeview durch die Straßen der Welt fahren.

Damit hat Google die schlimmsten Befürchtungen noch übertroffen. Natürlich schreibt man sofort, die sei ein unbeabsichtigter Fehler und die Aufzeichnung von Payload gar nicht beabsichtigt gewesen. Und man habe ja nur Fragmente erwischt, da man alle 0,2 Sekunden den Kanal gewechselt habe. Das mag sogar alles zutreffen. Dass es allerdings drei Jahre lang niemand gemerkt hat, dass man bei den Streetview-Fahrten riesige Datenmengen Payload aufzeichnete und speicherte, erscheint schwer vorstellbar.

Googles Firmenmotto “Don´t be evil” hat heute doch einen heftigen Kratzer erlitten. Google hat in den letzten Wochen scheibchenweise das zugegeben, was sich nicht mehr leugnen liess. Natürlich werden nun die Kritiker gleich loswettern, sie haben es doch schon immer gewußt. Nein, liebe Kritiker, habt ihr nicht. Das systematische Aufzeichnen von Nutzdaten privater WLANs in mehr als 30 Ländern der Welt hat sich niemand vorstellen können.

Und die Konsequenzen? Die Bussgelder, die deutsche Datenschützer verhängen können, bewegen sich im Bereich bis zu 250.000 €. Für einen globalen Konzern wie Google sind das Beträge aus der Portokasse. Der mögliche Imageschaden wiegt schwerer. Gerade jetzt, wo Google mit dem Handy-Betriebssystem “Android” immer mehr in das Privatleben von Millionen Handynutzer eindringt. Möchten Sie ein Handy haben, von dem Sie nicht wissen, ob und was es alles so “nach Hause” zu Mama Google übermittelt? Dank GPS in den Telefonen sind da viele Dinge denkbar. Der Autor ist im Moment jedenfalls froh, ein Wunderwerk koreanischer Lötkunst ohne Android zu nutzen. Sicher ist sicher…

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